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Mrz 20 2009

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Jedes Teleskop hat seinen Himmel

…und das ist nicht nur irgendeine Standardfloskel um Besitzer von Kaufhausteleskopen Mut zu zusprechen. Ich glaube fast jeder der mit der Astronomie anfängt, kauft sich als Einsteigergerät eines im unteren Preissegment.

Das Lidlscope im EinsatzAuch ich bekam vor fast 15 Jahren mein erstes Teleskop zum Geburtstag geschenkt und das in einer Zeit, wo Teleskope noch relativ teuer waren. Heutzutage würde man schon einen kleinen Apo fürs Geld bekommt. Aber ich möchte jetzt nicht über meinen ehemaligen katadioptrischen 6 Zoll Newton mit kugelförmig geschliffenen Hauptspiegel sprechen, den ich vor einigen Jahren an meinen Kumpel Ron abgetreten habe. Immerhin hatte ich 9 lange Jahre Freude mit diesem Gerät.

Vor zwei Jahren kaufte ich mir bei einem Lebensmitteldiscounter in Lübben das Bresser Skylux 70 – auch liebevoll Lidlscope genannt – für knapp so viel Geld, wie auch Öffnung in Millimetern vorhanden sind. Und ich bin immer noch erstaunt, was ein kleines Teleskop auch bei Deep Sky Beobachtungen leisten kann. Voraussetzung ist natürlich ein dunkler Himmel, der logischerweise durch nichts zu ersetzen ist und einen hohen Einfluss auf eine erfolgreiche Beobachtung hat. Leider hat der Discounter es im letzten Jahr aus dem Sortiment genommen. Allerdings ist es noch bei diversen Online-Händlern und über ebay verfügbar. Im Gegensatz zu den meisten Kaufhausteleskopen besitzt es eine ordentliche Optik und eine relativ stabile Montierung.

Am 22. Januar 2009 beobachtet ich mal wieder mit diesem Gerät, welches ich normalerweise zum Schnellspechteln im Winter und für Mond- und Kometenbeobachtungen verwende. Der Vorteil eines kleinen Teleskops ist nicht von der Hand zu weisen: Es ist relativ schnell eingepackt, aufgebaut und auch ausgekühlt. So fuhr ich nach dem Abendessen zu unseren Beobachtungsplatz.

Am Platz angekommen präsentierte sich ein wunderbar klarer Himmel. Venus stand als gleißend heller Abendstern im Südwesten. Leider herrschte schlechtes Seeing vor, aber ich wollte sowieso nicht hoch vergrößern. Die Wintermilchstraße spannte sich ungewohnt deutlich von Horizont zu Horizont und quer über den Himmel. Die Zenitgegend und die Sternbilder Kleiner Bär und Orion waren mit schwachen Sternen überfüllt. Auch konnten die südlichen Sterne des Großen Hundes knapp über dem Horizont erkannt werden. Der in diesem Sternbild gelegene offene Sternhaufen M 41 war als kleines Wölkchen in nur 10° Höhe erkennbar. Ein Beweis, für einen sehr transparenten Himmel und eine überdurchschnittlich gute Grenzgröße von rund 6,8 mag!

Der Orionnebel M 42 war mit mittlerer Vergrößerung einfach überwältigend und hatte die Form einer Möwe mit ausgebreiteten Schwingen mit hell und dunkel Variationen. Selbst mit dieser geringen Öffnung zeigte der Nebel zahlreiche Strukturen. Auch das so genannte Fischmaul, eine Dunkelwolke die ins Nebelzentrum ragt, stand im guten Kontrast  zu ihm im Okular. Die Trapezsterne konnten bei höherer Vergrößerung schon getrennt werden. Nördlich des Nebels war sogar der Reflexionsnebel um die Sterne 42 und 45 Ori sichtbar.
Danach ging es zum eindrucksvollen Offenen Sternhaufen M 35 nebst Begleiter in den Zwillingen. Der Begleiter NGC 2158, ebenfalls ein Offener Sternhaufen allerdings weit im Hintergrund gelegen, kann normalerweise ab einer Teleskopöffnung von 100 mm sicher erkannt werden. Mit 70 mm war es mir aber ohne Probleme möglich den Haufen als kleines Wölkchen, 15 Bogenminuten südwestlich von M 35, zu identifizieren.
Überrascht war ich dann von NGC 2175 im Orion, der als Offener Sternhaufen nicht gerade viele Sterne aufzuweisen hatte. Das Besondere daran war, und was ich erst hinterher erfuhr nachdem ich am nächsten Tag mein Sternkartenprogramm konsultierte, dass ich tatsächlich den Emissionsnebel NGC 2174 um den Sternhaufen erkannt habe. Und das ohne Nebelfilter! Zuerst ging ich davon aus, hier schwache und unaufgelöste Sterne  vor mir zu haben. Schon bemerkenswert für ein so kleines Gerät.
Auch beim Galaxienpaar M 81 und M 82 im Großen Bären zeigten sich schon einige Details. Beide Galaxien standen bei mittlerer Vergrößerung noch im selben Gesichtsfeld. Insbesondere bei der zigarrenförmigen Galaxie M 82 zeigten sich einige Strukturen. Ich meinte, unregelmäßige Helligkeitsvariationen im Galaxienkörper wahrzunehmen. Interessant, weil Strukturen eigentlich erst bei größerer Öffnung zu erwarten sind.

Man sieht also, dass einige Anfängerteleskope zu unrecht ein Schattendasein führen und auch mit diesen Geräten interessante Beobachtungen möglich sind. Denn selbst Besitzer von Billigheimern sind heutzutage besser ausgerüstet als Galilei. 🙂

Link zum vollständigen Bericht auf meiner Homepage…

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