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Okt 06 2009

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Licht und Schatten

Europa bei Nacht (Quelle: NASA)Die Lichtverschmutzung, mit dem vielerorts recht sorglosen Umgang mit Kunstlicht, ist eine relativ neue Art von Umweltverschmutzung und auch ein hoch komplexes Thema. Ganz unterschiedliche Arten von Lichtquellen, wie Straßenbeleuchtung, Lichteffektgeräte, Flutlichtanlagen, die Beleuchtung von Hochhäusern und historischen Gebäuden, sowie von Gewerbe- und Industriegebieten, haben einen großen Anteil für die zunehmende Lichtemission. Dabei ist besonders das nach oben und horizontal abgestrahlte oder reflektierte Licht problematisch, welches überwiegend durch ineffektiv konstruierte Beleuchtungsanlagen verursacht wird. Verstärkt wird der Effekt durch in der Luft vorhandener Staubpartikel und Aerosole, die das Licht reflektieren, brechen und streuen.

Licht zum falschen Zeitpunkt hat außerdem nachweisbare Auswirkungen auf Flora und Fauna. Der Rhythmus und die Lichtmenge der Beleuchtung  bringt den Biorhythmus von Mensch und Tier durcheinander. Die Ballungszentren unserer Zivilisation, mit ihren weit sichtbaren Lichtkegeln der Großstädte, sind selbst in ländlich geprägten Gebieten zu sehen und besonders auf der Nachtseite der Erde und vom Weltall aus deutlich zu erkennen. Und jede Nacht kommen neue Lichter hinzu. Auch herrscht in unserer Gesellschaft leider immer noch die Meinung vor, dass viel Licht gesund sei. Dabei sind Beleuchtungen vielerorts nicht unbedingt notwendig oder sogar unsinnig. Nicht ohne Grund haben Naturschützer, Wissenschaftler und Einzelpersonen der zunehmenden Lichtverschmutzung den Kampf angesagt.

Das Problem der zunehmenden Lichtverschmutzung wird aber von den meisten Mitmenschen entweder ignoriert oder sogar belächelt. Dabei lassen sich mit ausgeklügelter und sinnvoller Beleuchtung sogar Energie und Geld sparen, was nicht nur dem Menschen, sondern auch der Umwelt, dem Klima sowie dem gesamten Ökosystem zu gute kommt. Um die besonders für Hobbyastronomen relevante Aufhellung des Nachthimmels entgegen zu wirken, können deshalb folgende einfache Strategien und Maßnahmen helfen:

  • Die Vermeidung von hellen und weitreichenden künstlichen Lichtquellen in der freien Landschaft.
  • Das Licht sollte ausschließlich in die Bereiche gelenkt werden, die künstlich beleuchtet werden müssen.
  • Es müssen Lichtquellen ausgewählt werden, die zum Beispiel auch für Insekten im wirkungsarmen Spektrum liegen.
  • Eine Begrenzung der Betriebsdauer zum Beispiel In Form von Zeitschaltuhren auf die notwendige Zeit.

Das Thema Lichtverschmutzung in den Medien

Vor längerer Zeit gab es in den Medien einige Artikelserien und Dokumentationen zum Thema Lichtverschmutzung. Besonders erwähnenswert war die Arte-Sendung vom 20. Januar 2009 mit dem Titel “Die dunkle Seite des Lichts” und eine “W wie Wissen” Sendung in der ARD vom 1. Februar zum gleichen Thema. Nun wurde vor kurzem auch die von Roy Hengst vor dem Deutschen Bundestag eingebrachte Petition gegen Lichtverschmutzung abgeschlossen. Der Initiator hat im Astrotreff-Forum auch den Wortlaut des Begründungstextes veröffentlicht. Demnach sieht der Gesetzesgeber momentan noch keine Notwendigkeit, gesetzliche Rahmenbedingungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung zu schaffen. 🙁 Das alles ist auch im KOSMOlogs-Blog „Himmelslichter“ von Jan Hattenbach nachzulesen.

Für diejenigen, die sich über das weitreichende Problem der zunehmenden Lichtverschmutzung informieren wollen und die Sendung vom Januar diesen Jahres verpasst haben, habe ich den Inhalt und die wichtigsten Aussagen dieser interessanten Sendung mal kurz zusammengefasst:

Astronomen brauchen Dunkelheit

Astronomie ist Grundlagenforschung. In der Vergangenheit, noch vor der Erfindung der Glühbirne, befanden sich traditionelle Sternwarten in bzw. am Rand der Städte. Die zunehmende Himmelsaufhellung ließ die Sterne langsam verschwinden. Deshalb mussten Astronomen in immer abgelegenere Gebiete ausweichen, wo der Himmel noch dunkel ist, um überhaupt Forschung zu betreiben. Jede Art von Kunstlicht erschwert nämlich die Beobachtung. Es wird auch geschätzt, dass jeder zweite Europäer noch nie die Milchstraße gesehen hat.

Observatorio del TeideAuf Teneriffa befindet sich das Observatorio del Teide. Seit 1988 wird hier der Nachthimmel durch ein Gesetz geschützt. So dürfen in der nahe gelegenen Ortschaft, am Fuße des Teide, nur Leuchtmittel eingesetzt werden, die einen hohen Gelbanteil im Spektrum aufweisen – weil gelbes Licht den Himmel nicht so stark aufhellt wie blaues. Gleichzeitig spart es noch Energie. Auch dürfen Lampen ihr Licht nur in Richtung Boden abgeben und nicht nach oben oder horizontal.

Schwindene Insektenpopulation

Eichenspinner (Lasiocampa quercus)Der Lichtsinn ist für viele Insekten der wichtigste Sinn. Licht, insbesondere das mit hohem Blauanteil, wirkt im Höchstmaß anziehend auf diese Tiere. Deshalb sterben jede Nacht Tausende an Erschöpfung, weil sie stundenlang helle Lichtquellen umschwirren. Durch die künstlichen Beleuchtung, sind mancherorts schon ganze Arten verschwunden. Dieser so genannte Leerfangeffekt hat auch negativen Einfluss auf die Pflanzenwelt. Denn ¾ aller Blütenpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen, was im Nachhinein auch einen erheblichen Einfluss auf die Landwirtschaft des Menschen hat.

Die Stadt Düsseldorf geht hier mit gutem Beispiel voran und versucht den zunehmenden Lichtsmog mit neuer Straßenbeleuchtung einzudämmen. LED-Lampen sparen bis zu 50% Energie und Strahlen ihr Licht – auf Grund ihrer Bauweise – nur zum Boden hin ab. Eine Abstrahlung in den Himmel wird somit vermieden. Diese Lampen ziehen durch ihren Gelbanteil im Spektrum auch weniger Insekten an.

Gefährdung vom Aussterben bedrohter Tierarten

Karibische MeeresschildkröteTierschützer kämpfen in Florida schon seit Jahren gegen übermäßige Beleuchtung, weil diese die heimischen Meeresschildkröten gefährdet. Aus diesem Grund gibt es seit 1997 ein Gesetz, dass die Stärke und Art der Beleuchtung regelt. Hier wird nur so viel Licht eingesetzt, wie für die Sicherheit der Einwohner nötig ist.
Beim Schlüpfen orientieren sich die Jungtiere nach der stärksten Lichtquelle am Horizont. Und dieser ist normalerweise der Golf von Mexiko. Durch die künstliche Beleuchtung werden die Tiere in die Irre geleitet und sterben oft an Erschöpfung oder Austrocknung. Viele werden aber auch von Autos überfahren. Deshalb darf das Licht nicht in Richtung Meer, sondern nur in das Landesinnere strahlen.

Gefährdung von Zugvögeln

Wildgänse beim 9. HTTZwei Drittel aller Zugvögel wandern nachts und orientieren sich dabei am Sternenhimmel. Kunstlicht irritiert Vögel, so dass diese geblendet und von ihren Zugrouten abgelenkt werden. Ähnlich wie bei Insekten wirkt Licht auf sie anziehend. Es gab schon Fälle, wo Vögel in Lichtkegeln von Lichteffektgeräten regelrecht gefangen wurden und diese stundenlang bis zur Erschöpfung umflogen. Auch stellen beleuchtete Hochhäuser eine tödliche Gefahr für Vögel dar. Selbst punktuelle Lichtquellen haben einen Einfluss auf den Orientierungssinn. Allerdings hat man festgestellt, dass Blinklichter keinen so großen Effekt auf die Tiere ausüben.

Gefahr für die Gesundheit des Menschen

Hong Kong Skyline © David IliffDer Mensch ist normalerweise eine tagaktive Spezies. Licht steuert den 24 Stunden Takt der inneren Uhr. Besonders Schichtarbeiter haben dadurch Probleme und Schlafstörungen sind keine Seltenheit.
Chronobiologen untersuchen deshalb den Einfluss von künstlichen Licht auf den Menschen. Leider ist es in einer modernen Industriegesellschaft so, dass man am Tag zu wenig und in der Nacht zu viel davon abbekommt. Es treten Krankheiten, Konzentrationsstörungen und Störungen des Hormonhaushalts auf.
Durch das Kunstlicht, insbesondere nachts, gerät die innere Uhr aus dem Gleichgewicht. Das hat zur Folge, dass das Melatonin, welches auch ein Antioxidant ist, unterdrückt wird. Das Risiko an Krebs zu erkranken wird dadurch gesteigert. Besonders die Art der Lichtquellen, z.B. bei Straßen- und Bürobeleuchtungen und selbst im Haushalt, hat einen erheblichen Einfluss auf das Hormon. Kaltes weißes Licht mit hohem Blauanteil wirkt unterdrückend, hingegen wird bei warmen weißen Licht die Ausschüttung kaum beeinflusst.

Weiterführende Links:

Dark Sky – Initiative gegen Lichtverschmutzung
Dark Skies – Awareness
International Dark-Sky Association – IDA
Deutscher Bundestag – Petition gegen Lichtverschmutzung
Der Spiegel – Der Tod der Nacht
Spektrum direkt – Es werde Nacht
National Geographic Artikel – Es werde Nacht!
Der Tagesspiegel – Der unsichtbare Himmel
Do1 TV – Die Zerstörung der Nacht

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