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Aug 26 2012

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Beobachtungsbericht und First Light der neuen AstroTrac

Seit wenigen Wochen bin ich stolzer Besitzer einer AstroTrac TT320X-AG. In der Nacht vom 17. auf den 18. August 2012 habe ich den klaren Himmel genutzt, um die Nachführplattform endlich auszuprobieren und mit meiner umgebauten Canon EOS 1000D auf die interessanten Nebelgebiete in der Nähe von Deneb im Schwan zu halten. Um die Zeit für die Belichtung sinnvoll zu überbrücken, beobachtete ich noch mit meinem Fujinon 10×70 Fernglas einige hellere Deep-Sky-Objekte des Sommer- und Herbsthimmels.

AstroTrac und Canon EOS 1000Da mit Kitobjektiv

Der Abend beginnt mit einem Schockmoment, als ich gegen 21 Uhr am Beobachtungsort in Radensdorf eintreffe: Ein Landwirt fährt mit seiner hell erleuchteten Erntemaschine herum, so dass ich womöglich gezwungen bin, einen Ausweichplatz zu suchen. Ich fahre weiter in das Biosphärenreservat hinein und finde auf die Schnelle aber keinen geeigneten, so dass ich frustriert wieder zum Ausgangspunkt zurückkehre. Glücklicherweise ist der Landwirt in der Zwischenzeit mit seinem Mähdrescher verschwunden, so dass ich hier doch noch in aller Ruhe aufbauen kann. Plötzlich biegt ein ein Fahrzeug auf den Feldweg hinter mir ein und kommt direkt auf mich zu. Der Fahrer fragt mich was ich hier überhaupt mache. Als ich ihm erkläre, dass ich den Himmel beobachten und Sternfelder belichten möchte, schüttelt er ungläubig den Kopf und kommentiert mein Vorhaben etwas lapidar „mit dieser Ausrüstung?“. Er fährt weiter ohne sich weiter um mich zu kümmern. Von seiner Bemerkung unbeeindruckt stelle ich das Triton Stativ in Waage und klemme anschließend die AstroTrac auf den Neigekopf. Die weitere Ausrichtung auf den Himmelsnordpol mit Hilfe des Polsuchers gestaltete sich überraschend einfach. Allerdings stelle ich fest, dass die Polsucherbeleuchtung selbst in der geringsten Einstellung etwas zu hell ist, um den 2. und 3. Markierungsstern zu finden. Nach 10 Minuten steht aber das Equipment bereit, den Lauf der Gestirne zu folgen. Leider ist der Himmel noch nicht ganz dunkel, so dass ich erst mal einige Probeaufnahmen schieße um zu überprüfen, ob das Teil überhaupt vernünftig nachführt. Ich belichte also die ersten 5 Minuten und stelle fest, dass ich Strichspuren auf dem Kamerabildschirm habe. Komisch, aber schnell finde ich den Fehler: Ich habe vergessen, auf den Knopf zu drücken, um die Nachführung zu aktivieren. Nach weiteren 5 Minuten zeigt die Aufnahme schön runde Sterne. Die Nachführung funktioniert also tadellos. Ich blicke in Richtung Westen und sehe einen hellen Punkt der schnell auf mich zukommt. Es muss die ISS sein, die zenitnah dicht an Wega in der Leier vorbeizieht und danach im Osten im Erdschatten verschwindet. Die Raumstation werde ich in 90 Minuten noch einmal sehen.

Bis es richtig dunkel geworden ist, versuche ich den passenden Himmelsausschnitt für meine erste Aufnahme zu finden. Und pünktlich zum Ende der astronomischen Dämmerung beginne ich die Belichtungsserie. Ich habe vor, so viele Bilder wie möglich auf die Speicherkarte zu bannen und setze Mitternacht als obere Grenze für die maximale Belichtungszeit der Aufnahmen. Ich stelle den Timer auf 3 Minuten pro Bild ein. Die Kamera blickt inzwischen in Richtung der Cygnus-Region mit dem Nordamerika- und Pelikannebel.

cyg_ngc7000

Nebelregion im Sternbild Schwan mit dem Nordamerika-, Pelikan- und Schmetterlingsnebel

Um die nächsten 1 ½ Stunden tot zu schlagen, montiere ich das Fujinon Fernglas auf mein zweites Triton Stativ und stelle zuerst den Andromedanebel M 31 ein. Derweilen macht die Kamera munter Aufnahmen. Die Galaxie ist inklusive ihrer Nachbarn M 32 und M 110 schön im Gesichtsfeld erkennbar. Überraschend ist, dass die Galaxie, mit ihrem hellen und flächigen Zentrum, sehr ausgedehnt erscheint und nahezu 1/3 des Gesichtsfeldes einnimmt. Die beiden Begleiter stechen derweilen nur als kleine, aber trotzdem deutlich sichtbare Flecken hervor – wirklich ein fantastischer Anblick. Danach schwenke ich auf den Drecksnebel M 33, der nur als ovaler Lichtfleck im Fernglas erscheint aber trotzdem überraschend hell ist. Weitere Details sind in dieser Galaxie nicht zu erkennen. Weiter geht’s zu NGC 752, einem großen und relativ ausgedehnten Sternhaufen in der Andromeda. Der Sternhaufen ist richtig gehend prädestiniert für das Fernglas. Sein Zentrum erscheint etwas dichter. Am südwestlichen Ende des Haufen stechen zwei orange Sterne gleicher Helligkeit hervor. Handelt es sich dabei um einen optischen oder physischen Doppelstern? Im Perseus befindet sich mit M 34 das nächste Messier-Objekt. Es erscheint leicht rechteckig und deutlich kleiner als NGC 752 und ist ebenfalls schon in viele helle Einzelsterne aufgelöst.

Nun schwenke ich auf den berühmten Doppelsternhaufen h und Chi im Perseus. Ein herrlicher Anblick bietet sich mir. Viele helle Sterne unterschiedlicher Farben sind sichtbar, davon sehr viele Doppelsterne. Nordöstlich des Doppelsternhaufens befindet sich mit Stock 2 ein weiterer offener und sehr ausgedehnter Sternhaufen, der im Volksmund auch als „Muskelmännchen“ bekannt ist. Der Grund dafür sind lange Sternketten, die in Form einer Person mit nach oben angewinkelten Armen angeordnet sind. Weiter geht’s in Richtung Südosten mit Barnard 143 im Sternbild Adler: Diese Dunkelwolke in der Nähe von Atair ist sehr auffällig im Fernglas und erscheint in Form des Buchstaben „E“.

Ich unterbreche die Belichtung, weil von der Straße her ein Auto mit Aufblendlicht auf mich zukommt. Gleichzeitig überfliegt ein Flugzeug genau die Stelle, wo sich der Nordamerikanebel befindet. Beim ersten durchschauen der aufgenommenen Bilder entdecke ich zahlreiche Satellitenspuren. In halber Höhe im Osten zischt plötzlich eine helle Sternschnuppe der 0. Größenklasse parallel zum Horizont über den Himmel. Sie stammt aus Richtung des Sternbilds Perseus und muss ein Nachzügler des Perseiden-Meteorstroms gewesen sein. Ich stelle abermals den Timer auf 20 Bilder ein und setze die Belichtungsserie fort. In Richtung West kommt abermals ein Punkt auf mich zu, der aber schnell schwächer wird. Ich schwenke das Fenrglas in diese Richtung und kann noch erkennen, wie die ISS immer schwächer wird und im Erdschatten verschwindet.

Nachdem ich die Dunkelwolke im Adler wunderbar erkennen konnte, schwenke ich in Richtung Zenit auf den Schwan und muss mir fast den Hals verrenken. Ich Stelle Barnard 143 ein, eine weiterer Dunkelnebel, der wie ein schwarzer Strich inmitten der Milchstraße erscheint. An seinem Ende befindet sich der Kokonnebel, den ich aber aufgrund der unbequemen Position nicht erkennen kann.

Als ich dabei bin, M 13 im Herkules zu beobachten, kommt mir wieder ein Auto entgegen, diesmal aus der anderen Richtung. Glücklicherweise blendet dieser rechtzeitig ab, bevor er mich erreicht. Mit dem Blick zum Himmel erkenne ich, dass sich die Durchsicht etwas verschlechtert hat. Mein SQM-L registriert 0,15 mag/arcsec² schlechtere Werte als noch zu Beginn der Beobachtung. Es muss sich dabei um hohe Zirren handeln, die mittlerweile den Himmelshintergrund etwas aufhellen. Auch der Himmel in Richtung Horizont erscheint deutlich heller als die Zenitregion, so dass ich leider keine Chance sehe, den Helixnebel im Wassermann zu beobachten.

Es ist nun kurz vor Mitternacht, so dass ich zum Abschluss das Fernglas in Richtung Sternbild Großer Bär halte. Die Whirlpoolgalaxie M 51 steht schon recht niedrig, so dass sie im Fujinon nur wie ein schwacher Lichtfleck erscheint. Deutlich besser ist das Galaxienduo M 81 und M 82 erkennbar, die noch etwas höher über dem Nordhorizont stehen. Als letztes Objekt stelle ich die Plejaden im Stier ein, die mittlerweile im Osten aufgegangen sind und vom nahenden Herbst künden.

Kurz nach Mitternacht stoppe ich die Belichtung. Insgesamt sind in 1 ½ Stunden 26 Aufnahmen zusammengekommen. Ich montiere die Kamera ab und lege sie für eine weitere halbe Stunde für Aufnahme von Dunkelbildern in mein Auto. Nebenbei verstaue ich die Ausrüstung wieder im Kofferraum. Vorher messe ich noch mit SQM-L die Helligkeit des Himmelshintergrunds in Richtung des Sternbilds Kleiner Bär. Das Gerät zeigt für diesen Standort einen recht unterdurchschnittlichen Wert von 21.10 mag/arcsec² an. Im Frühjahr konnte deutlich bessere Werte erzielt werden. Im Gegensatz zum Frühjahr war es die ganze Nacht über trocken, so dass ich keinerlei Probleme mit Tau hatte.

Die nächste Beobachtungsnacht wird wohl erst wieder zum 13. HTT Mitte September stattfinden. Diesmal werde ich nicht allein sondern mit mehreren 100 Gleichgesinnten unter einem hoffentlich klaren Himmel beobachten.

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1 Kommentar

  1. Lichtecho

    Schöner Bericht, da bekomme ich direkt auch Lust, mir so eine AstroTrec zuzulegen 🙂

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