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Okt 10 2014

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Das war das 15. Herzberger Teleskoptreffen

Das diesjährige Herzberger Teleskoptreffen (HTT) wurde vom 25. bis 28. September 2014 ausgetragen und wurde zum größten Teil Opfer des schlechten Wetters. Nur die Nacht von Samstag auf Sonntag konnte, trotz sehr hoher Luftfeuchtigkeit und dadurch massiven Taubefalls der Instrumente, astronomisch genutzt werden. Am Samstag und Sonntag konnte dann auch die Sonne intensiv beobachtet werden. Für mich persönlich stellte das diesjährige HTT eine kleine Premiere dar: Es war das 10. Treffen, das ich besuchen konnte.

Fernrohre

abgedeckte Fernrohre am Donnerstagnachmittag


Schon die Wetteraussichten in den Tagen vor dem HTT verhießen nichts Gutes: Der Donnerstag sollte zum größten Teil bewölkt sein, ohne eine Chance auf eine klare Nacht. Der Freitag sollte vom Wetter her sogar noch schlechter, mit einigen mehr oder weniger starken Regenschauern, ausfallen. Der Stimmung tat das Ganze aber keinen Abbruch. Als ich am frühen Donnerstagnachmittag auf dem HTT-Gelände eintraf, war der der Platz schon gut gefüllt. Auf den Einsatz meines Schmidt-Newtons verzichtete ich in diesem Jahr, aufgrund des Wetters, und hatte nur den 8 Zoll GSO Dobson sowie mein 10×70 Fujinon Fernglas eingepackt. Den gesamten Donnerstagabend verbrachte ich mit Fachsimpeln. Weil sich die Sonne meist hinter den Wolken versteckte, hatte ich außerdem noch die Gelegenheit, einigen Teilnehmern meine Fotos aus Namibia zu zeigen. Am Abend gab es hier und da sogar kleinere Wolkenlücken, die Sternenlicht für wenige Minuten hindurch ließen. Aus diesem Grund fanden sich die Teilnehmer in der Nacht von Donnerstag auf Freitag schon früh in den Schlafsäcken wieder.

Fotografenwiese

Fotografenwiese mit der Elsterland-Sternwarte

Vom Wetter her sollte der Freitag, in der 15. jährigen Geschichte des HTT, als schlechtester Tag eingehen. Schon am Morgen nieselte es aus einer grauen und nun vollständig geschlossenen Wolkendecke. Als das Wetter sich nicht besserte, entschlossen sich einige Mitglieder der Südkurve, inklusive mir, nach Herzberg zu fahren, um uns in einem Café etwas aufzuwärmen und die feuchten Klamotten zu trocknen. Kurz nach 14 Uhr brachen wir, frisch gestärkt von Kaffee und Kuchen, wieder in Richtung Jeßnigk auf. Das schlechte Wetter nutzten wir, um diverse Fachvorträge und Workshops zu besuchen. Zum einen gab es einen Fachvortrag von Sonnenpapst Wolfgang Lille über neue Techniken in der Sonnenbeobachtung. Anschließend zeigte er und seine neusten Sonnenbilder. Außerdem nahm ich wieder am Bildbearbeitungsworkshop von Martin Fiedler teil, der die Erstellung faszinierender Planetenfotos mit den Programmen Autostackert und WinJupos zeigen konnte. Um 19 Uhr gab es einen interessanten Vortrag von Waldemar Kammrath, der den Zuhörern Elektronenmikroskopaufnahmen des Mondgesteins präsentierte. Im Anschluss fand dann der von allen sehnlichst erwartet Vortrag von Supernovajäger Tim Pucket statt, der bei allen reichlich Anklang fand. Dieser Vortrag wurde in Englischer Sprache abgehalten und simultan ins Deutsche übersetzt. Den restlichen Abend verbrachte ich, trotz vereinzelter Regenschauer, in geselliger Runde unter einem großen Regenschirm bei meinen Astrokollegen an der Südkurve.

Tim Pucket

Tim Pucket (2. von rechts) im Gespräch mit Sternfreunden

Nach dem reichhaltigen Frühstück und einer erfrischenden Dusche am Samstagmorgen, half ich anderen Teilnehmern bei der Justage ihrer Newton-Teleskope. Auch das Wetter hatte sich spürbar gebessert, so dass nun endlich die Sonne in Weiß- und H-Alpha-Licht beobachtet werden konnte. Die Wolkenlücken wurden zum Nachmittag hin immer größer. Auf der Oberfläche unseres Zentralgestirns zeigten sich zwei große Fleckengruppe. Und auch im H-Alpha-Licht war der Anblick des Sonnenbildes faszinierend. Zwei größere Protuberanzen waren auf 10 und 2 Uhr positioniert. Des Weiteren lagen direkt über der Sonnenscheibe drei auffällige dunkle Filamente. Zum Nachmittag hin hatte ich dann endlich die Gelegenheit für einen ausgiebigen Rundgang über das HTT-Gelände. Auf der Nordwiese traf ich auf Clear-Sky Blogger Steffan Gotthold aus Berlin, mit dem ich schon seit längerem in Kontakt stand und der nun endlich Zeit gefunden hat, ein HTT zu besuchen.

Mario und Uwe

Mario und Uwe am 11″ Celestron

In den letzten Jahren ist zu bemerken, dass die Beobachtungsinstrumente der Hobbyastronomen immer größer werden. Neben dem Platzhirsch, dem 42 Zoll Riesendobson, sah man auch große Dobsons der 28 bis 33 Zoll Klasse. Aufgrund meines Rundgangs verpasste ich dann leider gegen Abend zwei interessante Vorträge, die das Sofia-Teleskop und die Astrofotografie zum Thema hatten. Dafür konnte ich in der Abenddämmerung die zunehmende Mondsichel über dem südwestlichen Horizont beobachten, die schließlich die einzige HTT-Beobachtungsnacht des Jahres einläuten sollte. Aufgrund des Regenwetters der vergangenen Tage, machte sich aber schon bei Zeiten massiver Taubeschlag auf den Instrumenten bemerkbar, der die gesamte Nacht auch nicht weichen wollte. Von den Sichtbedingungen her hatte ich schon bessere Nächte auf dem HTT erlebt: Der Himmelshintergrund war etwas aufgehellt, was mein SQML-Meter auch bestätigte. Es wurden nur 21,05 mag/arcsec² und demnach nur unterdurchschnittliche Werte für diesen Standort gemessen. So verwunderte es auch nicht, dass ich den Kometen Jacques im Sternbild Adler nicht auffinden konnte. Die Milchstraße zeigte sich ebenfalls nicht sehr eindrucksvoll, wie in den anderen Jahren zuvor. Aber vielleicht war ich ja nur vom dunklen namibischen Himmel zu sehr verwöhnt worden. 😉 So kam bei mir nicht so richtig Beobachtungsstimmung auf, was sich leider auch an der Ausbeute der aufgesuchten Deep-Sky-Objekte und der nächtlichen Stimmungsbilder äußerte. Immerhin konnte ich mich mit einer amerikanischen Austauschschülerin aus Nebraska unterhalten. Es entwickelte sich ein interessantes und amüsantes Gespräch. Die meiste Zeit beobachtete ich durch die verschiedenen Teleskope der Südkurvenmitglieder. Erst nach Mitternacht sollten sich die Bedingungen etwas bessern. Der Fön war neben der Rotlichtlampe aber auch hier das am meisten genutzte Utensil bei der Beobachtung.

Südkurve

Relaxen an der „Südkurve“

Der Sonntagmorgen zeigte sich, wie all die anderen Jahre auch, von seiner besten und sonnigsten Seite. So wurde auch während des Zeltabbaus die Sonne beobachtet. Nach und nach verabschiedeten sich die Mitglieder der Südkurve auf ein gemeinsames Wiedersehen im nächsten Jahr. Trotz des eher schlechten Wetters, war es aber wieder ein tolles und geselliges Treffen, wo die Teilnehmer wieder zahlreiche neue Einrücke sammeln konnten.

Im nächsten Jahr findet das 16. Herzberger Teleskoptreffen, hoffentlich bei deutlich besseren Wetter, zwischen dem 17. und 20. September 2015 statt…

Bildergalerie zum 15. HTT

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