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Jun 04 2016

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Spechtelnacht mit Polarlicht

Die erste Maiwoche war für uns Sternengucker optimal zum Beobachten. Nur selten trübte eine Wolke den Himmel. Nachts war es dann relativ mild und sternenklar, ohne Tau. Leider machte mir Anfang der Woche eine Erkältung zu schaffen, so dass ich nicht nachts beobachten konnte, obwohl ich in jener Woche Urlaub hatte. Zu Himmelfahrt besuchte ich dann eine Freundin in Pirna und kam erst am späten Sonntag Nachmittag des 8. Mai 2016 wieder heim. Deshalb hatte ich erst die Gelegenheit am Sonntag Abend in Radensdorf zu beobachten. Mit im Gepäck hatte ich wieder die Astrotrac sowie mein 8 Zoll Dobson. Der Aufbau der Astrotrac ging relativ schnell von statten, obwohl mein Polsucher, beim Ausrichten auf den Himmelsnordpol, schon wieder auf den Boden klatschte. Hier müsste ich mir mal was einfallen lassen. Die dünne Mondsichel ging zu diesem Zeit bereits unter und schon bald wurde es Zeit für die ersten Beobachtungen und für die erste Aufnahmeserie mit der Astrotrac. Weil ich mit der Kamera nicht in den Zenit gelangen konnte, nahm ich als erstes den Zentralbereich des Virgohaufens auf. Bei 200 mm Brennweite sollte schon eine große Anzahl von Galaxien sichtbar werden. Meine erst vor kurzem gekaufte preiswerte Stativschelle für das Canon EF 200 mm f/2.8 L II USM war überaus nützlich. Endlich war die Kamera nicht mehr kopflastig.

Die Astrotrac mit dem 8 Zoll Dobson - im Hintergrund Aufgang von Saturn und Mars

Die Astrotrac mit dem 8 Zoll Dobson – im Hintergrund: Saturn und Mars über dem Südosthorizont

Überraschenderweise war der Dobson schon gut kollimiert, so dass ich nicht mehr Hand anlegen brauchte. Als erstes Objekt nahm ich den Planeten Jupiter aufs Korn. Leider waberte dieser munter im Gesichtsfeld vor sich hin, was sehr schlechtes Seeing bedeutete. Danach beobachtete ich einige Galaxien im Sternbild Großer Bär. Bei der Whirlpoolgalaxie Messier 51 konnte ich, Dank der guten Durchsicht und des dunklen Himmel, schon mit 8 Zoll die Spiralarme sehen. Messier 81 & Messier 82 standen sehr schön im Gesichtsfeld des 25 mm Okulars. Vor allem M 82 zeigte schon reichlich Strukturen. Auch die Nachbargalaxie beider Objekte, NGC 3077, war leicht zu sehen. Weiter ging es dann mit dem Planetarischen Nebel Messier 97, der Eulenenebel, dessen Augen überraschend einfach zu erkennen waren. Auch die Galaxie Messier 108, die mit im Gesichtsfeld stand, zeigte interessante Strukturen.

Der Zentralbereich des Virgo-Galaxienhaufens im Sternbild Jungfrau - Canon EOS 1000Da, 200 mm, 31x3 Min., ISO-800, f/3.5

Der Zentralbereich des Virgo-Galaxienhaufens im Sternbild Jungfrau – Canon EOS 1000Da, 200 mm, 31×3 Min., ISO-800, f/3.5

Mein Planetariumsprogramm auf dem Palm zeigte in der Nähe beider Objekte noch weitere Galaxien an. Die 12,1 mag helle Spiralgalaxie NGC 3549 war schon direkt zu sehen. Sie erschien als schwache, recht langgezogene mittelgroße Galaxie mit dem 9 mm Okular. Die leicht oval erscheinende Spiralgalaxie NGC 3631 war hier deutlich einfacher wahrnehmbar. Sie besitzt einen relativ großes und helles Kerngebiet. Mit 10,1 mag ist sie schon in mittelgroßen Teleskopen leicht zu sehen. Die 10,7 mag helle Balkenspirale erschien ebenfalls recht hell. In unmittelbarer Nähe, rund 12 Bogenminuten entfernt, steht noch die deutlich schwächer und oval erscheinende Galaxie NGC 3729. NGC 3756 besitzt eine Helligkeit von 11,2 mag und ist ebenfalls elongiert und relativ schwach. In der Nähe befindet sich noch die 11,5 mag helle elliptische Galaxie NGC 3738, die ein auffallend helles Zentrum besitzt. NGC 3733, die die Dreierkette vervollständigte, konnte ich aufgrund des in der Nähe stehenden Sterns SAO 28064 (5,6 mag) leider nicht erkennen. Wahrscheinlich wird die nur 11,8 mag helle Galaxie von diesem überstrahlt. Als nächste Galaxie nahm ich Messier 101 in der Deichsel des Großen Wagens aufs Korn. Bei 17 mm Brennweite konnte ich eindeutig schon die Spiralstruktur erkennen – erstaunlich!

Der Planet Jupiter im Westen im Sternbild Löwe

Der helle Planet Jupiter über dem westlichen Horizont im Sternbild Löwe

Wenn ich beobachte, trage ich das SQM-L ebenfalls ständig mit in der Tasche. Es dient zur Bestimmung der Helligkeit des Himmelshintergrundes. Kurz nach Mitternacht konnte ich einen Wert von 21,57 mag/arcsec² messen, was für den Standort sehr gute Beobachtungsbedingungen bedeutet. Den Wert übermittelte ich auch via Android-App „Verlust der Nacht“. Die ermittelten Daten könne auf dieser Webseite für jeden eingesehen werden. Selbst Messier 13 im Herkules, der als ausgedehnter Lichtfleck schon direkt zu sehen war, bürgte für die Dunkelheit des Himmels an meinem Standort. Mit hoher Vergrößerung präsentierte sich der schon bis ins Zentrum aufgelöste Kugelsternhaufen als überaus sternenreich. Zur selben Sorte von Objekten gehört auch Messier 107 im Schlangenträger – mein Objekt des Monats für den Monat Juni. Leider nur in den Randbereichen konnte dieser sehr schwache Kugelsternhaufen aufgelöst werden. Weil ich mich schon in dieser Himmelgegend befand, nahm ich sogleich den oppositionsnahen Nachbarplaneten Mars im Sternbild Skorpion aufs Korn, der aufgrund des schlechten Seeings und der Horizontnähe von weniger als 20 Grad, nur bescheidene Strukturen zeigte. Die große Syrte konnte ich als Dunkelstruktur aber gut erkennen. Ebenso recht unspektakulär präsentierte sich Saturn, der im Schlangenträger kaum höher über dem Horizont stand.

Leider bemerkte ich nicht das Ende der 1. Belichtungsreihe. Als nächstes drehte ich die Kamera in Richtung M 101. Und tatsächlich zeigten sich nach 3 Minuten Belichtungszeit schon deutlich die Spiralstruktur dieser Galaxie, so wie ich es auch im Dobson in Erinnerung hatte. Selbst mit einer Brennweite von nur 200 mm, ist das Objekt also recht ausgedehnt.

Die 22 Millionen Lj. entfernte Galaxie M 101 im Großen Bären - Canon EOS 1000Da, 200 mm, 34x3 Min., ISO-800, f/3.5 (crop)

Die 22 Millionen Lj. entfernte Galaxie Messier 101 mit ihren Nachbarn im Sternbild Großer Bär – Canon EOS 1000Da, 200 mm, 34×3 Min., ISO-800, f/3.5 (crop)

Kurz nach 1 Uhr schaute ich auch mal auf mein Smartphone. Die kostenlose App „Twilight“ half mir dabei, die Dunkeladaption nicht zu verlieren, weil die App den Bildschirm rot einfärbt und etwas dimmt. Im Benachrichtungsfenster zeigte auch eine E-Mail von der Polarlicht-Warnliste an. Dort las ich, dass zur Zeit ein photographisches Polarlicht im Norden Deutschland sichtbar war. Aber auch südlicherer Gegenden von Deutschland sollte das Polarlicht sichtbar sein. Die Polarlicht-App „Aurora Alert“ warnte ebenfalls davor, denn der Kp-Index stand schon seit mehren Stunden bei 6. Und der Bz-Wert, ein guter Indikator für die Sichtbarkeit von Polarlichtern in unseren Breiten, zeigte ein südlich gerichtetes Magnetfeld. Mir kam es sowieso schon etwas seltsam vor, dass der Nordhimmel eine ungleichmäßige Helligkeitsverteilung jenseits der Lichterglocke des 80 km entfernten Berlins zeigte. Und tatsächlich: Mit der Canon EOS 6D und ISO-6400 konnte ich ein rosafarbendes Glühen bis 25 Grad hoch über dem Horizont ablichten. Auf einem Foto zeigten sich sogar rötliche Streamer. Eindeutig ein Polarlicht!

Blick in Richtung Norden mit violetten Vorhängen & einzelnen Streamern des Polarlichts

Blick in Richtung Norden mit violetten Vorhängen & einzelnen Streamern des Polarlichts

Von dem Umstand motiviert, ein Polarlicht von Südbrandenburg nachgewiesen zu haben, widmete ich mich weiter der Beobachtung. Den alten Offenen Sternhaufen NGC 188, nahe des Himmelspols, nahm ich sogleich aufs Korn. Mit 17 mm Brennweite war der Haufen recht locker und zeigte gleichmäßig helle Sterne.

Mittlerweile stand das Sommerdreieck schon relativ hoch am Himmel, so dass ich zum Ringnebel Messier 57 rüberschwenkte. Mit dem 7mm X-Cel Okular von Celestron war sehr schön die Ringform des Planetarischen Nebels erkennbar. Selbst helle und dunklere Strukturen im Ring waren sichtbar. Das nächste Objekt war Messier 4, unser am nächsten gelegener Kugelsternhaufen im Sternbild Skorpion. Der Sternhaufen war bereits gut aufgelöst und stand mit dem Skorpion im Meridian. Erstaunlich war der relativ dunkle Himmelshintergrund in dieser Höhe. Die Lichterglocken von Cottbus und Lübbenau waren Dank der trockenen Luft nicht so stark ausgeprägt wie sonst. So konnte ich selbst den Pfeifennebel in der Bulge der Milchstraße mit bloßem Auge erkennen, der momentan noch dicht über dem südöstlichen Horizont stand. Erstaunlich! Als letztes Objekt nahm ich dann den Kugelhaufen Messier 80 aufs Korn.

Die Sommermilchstraße über dem östlichen Horizont

Die Sommermilchstraße mit ihrer Bulge über dem östlichen Horizont

Gegen 2:30 Uhr war dann auch die letzte Aufnahmeserie von M 101 im Kasten. Während ich noch Dunkelbilder aufnahm, packte ich in Ruhe die Ausrüstung zusammen und brach dann kurz nach 3 Uhr morgens – Soeben hatte die Morgendämmerung eingesetzt – in Richtung Heimat auf.

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