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Jan 04 2017

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Beobachtung zum Jahresende

Das ausgedehnte Hochdruckgebiet zum Jahresende nutzte auch ich für astronomische Beobachtungen. Am Abend des 30. Dezember fuhr ich raus zu meinem angestammten Beobachtungsplatz in Radensdorf. Einige kleinere Nebelfelder auf dem Weg dorthin machten mir ein bisschen sorgen, allerdings zeigte sich die Situation vor Ort nebelfrei. Im Laufe der Nacht sollte zwar die Temperatur weiter zurückgehen, allerdings auch von der Luftfeuchte her auch trockener werden.

Als erste Maßnahme baute ich sogleich meine AstroTrac auf und fotografierte mit der Canon EOS 600D und dem 200 mm Objektiv in Richtung des Sternhaufens der Plejaden im Sternbild Stier. Dieses Objekt hatte ich schon vor auf dem 17. HTT im Ende September aufzunehmen. Allerdings verhinderte das unbeständige Wetter vor Ort längere Aufnahmeserien. Danach baute ich die StarAdventurer auf, die ich mit der Canon 1000Da und dem 100 mm Macro Objektiv bestückte. Ihr Ziel war die Gürtelregion des Sternbild Orion, mit den interessanten Nebeln in diesem Gebiet.

Im Gürtel des Orion mit M 42/43, IC 434 & B33, NGC 2024 & M78 sowie ein Stück von Barnards Loop
20161230 – Canon EOS 1000Da, Canon EF100 f/2.8 USM Macro, f/4, ISO-1600, 62×3 Min.

Zwischendurch vertrieb ich mir die Zeit mit den Objekten des Winterhimmels. In dieser Nacht kam mein 70/700 mm Bresser Skylux zu Einsatz. Ich bin immer wieder erstaunt, was dieses kleine und damals vor allem sehr preisgünstige Gerät zu Zeigen im Stande ist, obwohl die Bildqualität logischerweise nicht mit teureren Fraunhofer-Refraktoren oder Apos mithalten kann. Jedenfalls war ich von dem Anblick des Orionnebels Messier 42 mit verschiedenen Vergrößerung schlichtauf begeistert. Nachdem meine Sucherhalter für dieses Teleskop vor kurzem kaputt gegangen war, tauschte ich ihn durch einen preisgünstigen Leuchtpunktsucher aus, was sich im nachhinein als kluger Schritt erwies. Die Handhabe mit diesem Gerät ist nun deutlich einfacher, als mit dem nur 24 mm Öffnung besitzenden optischen Sucher. Allerdings hatte ich auch mein Nikon 10×50 Fernglas mit eingepackt, das ich vor Ort mal einen ausgiebigen Test unterziehen konnte. In Richtung des Sternbilds Schiffskiel, das noch sehr nahe am südöstlichen Horizont stand, erkannte ich schon mit bloßem Auge ein nebliges Objekt. Mit dem Feldstecher stellte sich dieses als den „Doppelsternhaufen“ Messier 46 & Messier 47 heraus, die zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 5° Horizonthöhe erreichten. Und auch die Dreiecksgalaxie Messier 33 war ein überaus deutliches Objekt, inmitten des Sternenfeldes. Indirekt war dieses Objekt, oberhalb eines 6,0 mag hellen Sterns, zeitweise sogar mit bloßem Auge sichtbar, aber schwierig. Um nicht zu verwackeln, montierte ich das Fernglas auf ein stabiles Einbeinstativ, das ich mit einem Manfrotto-Neigekopf ausgestattet hatte. So gestaltet sich die Beobachtung selbst in Zenitnähe verwacklungsfrei und recht bequem.

Der Sternhaufen der Plejaden (M 45) im Stier mit galaktischem Zirrus – 20161230 – Canon EOS 600D, Canon EF200 f/2.8L II, f/3.5, ISO-800, 37×3 Min.

Im Laufe der Nacht verbesserten sich die Sichtbedigungen sogar noch etwas. Die Herbst- und Wintermilchstraße spannte sich deutlich quer über den Himmel. Und selbst in Horizontnähe war diese noch gut zu erkennen. Auch zeigten sich keine stärkeren Lichterglocken in Horizontnähe, obwohl vielerorts noch die Weihnachtsbeleuchtung brannte. Die Durchsicht am Horizont war als sensationell zu bezeichnen. Nur in Richtung Norden war die Berliner Lichterglocke ein überaus störender Faktor. Am Ende maß ich mit dem SQM-L den Himmelshintergrund zu 21.49 mag/arcsec², was überdurchschnittliche Bedingungen für meinen Standort bedeutete.

Während der Zeit unterlief mir bei den Aufnahmen leider auch ein Missgeschick: Nachdem die Aufnahmeserie mit den Plejaden abgeschlossen war, wollte ich den Orionnebel auf den Kamerachip bannen. Leider vergaß ich nach einer Probeaufnahme den Timer zu reaktivieren, so dass die Montierung fast 2 Stunden lang durchlief, ohne eine einzige weitere Aufnahme zu tätigen. Deshalb gelang mir nur ein Einzelbild des winterlichen Paradeobjekts. 🙁

Ende der Beobachtung war dann kurz nach Mitternacht…

Planetenkonstellation zum Silvestertag

Die 2 1/2 Tage alte Mondsichel mit aschgrauem Licht am 31. Dezember 2016

Am frühen Abend des 31. Dezember 2016 packte ich abermals meine Fotoausrüstung ins Auto. Ziel war die 2 1/2 Tage alte dünne Mondsichel zu fotografieren. An diesem Abend sollten weiter östlich noch unsere Nachbarplaneten Venus und Mars auftauchen. Deshalb nahm ich neben der Canon EOS 600D, und dem Tamron-Tele, noch die 6D mit, die ich mit dem Standard-Zoomobjektiv bestückte. Ich traf kurz vor Sonnenuntergang auf dem Feld in Treppendorf ein und konnte schon schmale Mondsichel sowie unser Schwesterplanet Venus mit bloßem Auge am Taghimmel wahrnehmen. Die abendlichen Dämmerungsfarben waren einfach unbeschreiblich schön. Im 10×50 Nikon Feldstecher konnte ich schon bald das aschgraue Mondlicht erkennen. Am Terminator zeigten sich plastisch zahlreiche Krater. Mit zunehmender Dunkelheit erschien unser Erdtrabant fast dreidimensional.

Mars, Venus und Mondsichel am Abendhimmel des 31. Dezember 2016

Als es immer dunkler wurde, versuchte ich den periodischen Kometen 45P/Honda-Mrkos-Pajdusakova im Sternbild Steinbock aufzufinden, was mir nach kurzer Suche auch gelang. Dieser stand direkt westlich von 20 Capricorni, einem Stern der 6. Größenklasse. Zu diesem Zeitpunkt stand der 7,2 mag helle Schweifstern nur noch 5 Grad hoch über dem südwestlichen Horizont. Ich konnte ihn dann noch rund eine halbe Stunde sicher halten, bis dieser im Horizontdunst nicht mehr zu erkennen war. Den leicht ovalen Komadurchmesser schätzte ich auf knapp 10 Bogenminuten. Indirekt war auch ein kurzer Schweifansatz in Richtung Nordosten erkennbar.

Neben dem Kometen, beobachtete ich noch einige Deep-Sky Objekte mit dem Fernglas und konnte selbst den Nordamerikanebel im Sternbild Schwan noch sicher erkennen – und das im Winter! Beobachtungsende war dann um 18:30 Uhr…

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