Okt 01 2017

Das war das 18. Herzberger Teleskoptreffen

Nun ist das 18. Herzberger Teleskoptreffen (HTT), was vom 21. bis 24. September 2017 stattfand, auch wieder Geschichte. Und trotz der eher widrigen Wetterumstände und Aussichten, konnte zumindest in der Nacht von Freitag auf Samstag ausgiebig beobachtet werden. Feucht fröhlich ging es aber nicht nur am Himmel zu.

Donnerstag

Einige Sternfreunde reisten schon ab Mittwoch Nachmittag an und konnten in dieser Nacht ca. zwei Stunden lang beobachten. Offiziell wurde das Treffen aber erst am Donnerstag eröffnet. Ich erreichte Punkt 13 Uhr Jeßnigk und staunte erst mal nicht schlecht, dass ich Eintritt für mein Auto und das Zelt zahlen sollte, obwohl ich wieder am HTT-Skyguide mitgearbeitet hatte. Die Sachlage konnte aber schnell mit Dirk Landrock geklärt werden. Unsere Südkurve, auf der großen Beobachterwiese, war zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllt, obwohl einige Südkurvenmitglieder, aufgrund der widrigen Wetteraussichten, abgesagt hatten.

Am Stand von Vixen auf der Nordwiese

Ich baute schnell mein Zelt auf und setzte mich dann zu den anderen Mitglieder, die schon ihre Beobachtungsinstrumente aufgebaut hatten. Zu sehen gab es aber nicht gerade viel, da der Himmel leider vollständig bewölkt war. So machten Thomas, Gabi und ich einen ersten Rundgang über den Platz. Am Stand von Vixen, die zum 1. Mal auf dem HTT waren, blieben wir stehen und konnten einige Neuigkeiten bestaunen. So war ich von der neuen weißen Kopflampe aus Japan recht angetan. Die „Brille zum Erhalt der Dunkealdaption“ überzeugte mich allerdings nicht. Vor allem der Preis war schlicht überteuert, handelte es sich doch um eine einfache rote Laserschutzbrille, die man für ein paar wenige Euro bei Amazon & Co. findet. Ein Fernglasvergleichtest unterschiedlicher Fujinon-Feldstecher überzeugte da schon eher. Am Abend saß man dann in geselliger Runde beisammen.

Modellflieger auf dem Platz

Einige Sternfreunde hatten ihre Modellflieger und auch diverse Drohnen mitgebracht und flogen diese über dem nahen Feld. So auch Jörg aus Chemnitz, der seine Minidrohne präsentierte. Diese passt mitsamt des Steuerpads in eine kleine Kameratasche. So konnte auch von oben unsere Südkurve bestaunt werden. Denn die Drohne übertrug Livebilder direkt auf das Pad.

Die Südkurve aus der Adlerperspektive am Donnerstagabend

In der Nacht erzählte Uwe aus Finsterwalde dann den Anwesenden von seiner Reise in die USA zur Totalen Sonnenfinsternis, die er mit einigen anderen Sternfreunden aus der Südkurve in Wyoming beiwohnen konnte. Und auch die hübschen Landschaftsbilder vom Yellowstone konnten überzeugen. Jörg zeigte daraufhin seine Bilder vom Nordkap mit fantastischen Bildern der Polarlichter. Nach einem Vormitternachtsschmaus in der H-Alpha-Bar, ging man schon um 1 Uhr in die Schlafsäcke. Denn der Himmel wollte den ganzen Abend lang nicht aufreißen. Nur hier und da waren in der Nacht einzelne kleine Wolkenlücken zu sehen, die ein wenig Sternenlicht zeigten.

Freitag

Jörg mit seinem 8 Zoll Apo – Der größte Refraktor auf dem Platz

In dieser Nacht schlief ich überraschend sehr gut in meinem Zelt, wahrscheinlich weil die Kälte noch erträglich war. Das sollte sich in der folgenden Nacht aber ändern. Nach dem Frühstück fuhr ich zur Abwechslung mal allein nach Kolochau raus, um zu duschen und verpasste ganz knapp die anderen Sternfreunde, die mit dem Schlüssel des Kolochauer Sportlerheims zurückfuhren. Glücklicherweise waren zwei Platzwarte vor Ort, die mir das Gebäude aufschlossen. Kurz nach Mittag kehrte ich wieder zur Südkurve zurück. Weitere Sternfreunde trafen am frühen Nachmittag an der Südkurve ein u.a. Familie Müller, Uwe aus Chemnitz, Tilo – der nach 3 Jahren Abstinenz wieder ein HTT besuchte – sowie die beiden enthusiastischen Hobbyastronominnen Anja und Michaela aus Dresden, die wir im letzten Jahr kennengelernt haben. Sie hatten auch allerlei Dinge von zu Hause mitgebracht, die das Überleben der beiden auf der Südwiese sichern sollte. So waren neben einem riesigen Zelt gleich zwei Wasserkocher, literweise Glühwein und sogar einen Sandwichmaker mit im Gepäck. Aber wo war der Fön für den Tau geblieben, der vor allem in der kommenden Nacht zu erwarten war?

Thomas und Thorsten bei der Kollimation des 10 Zoll Galaxy Newtons

Gegen 16 Uhr besuchte ich Martin Fiedlers Workshop Videoastronomie. Und auch diesmal konnte die Zuhörer neue technische Errungenschaften (vor allem Kameras) des Radebeuler Astroclubs bestaunen. Allerdings zog sich der praktische Teil des Workshops doch ziemlich in die Länge, so dass ich vorzeitig den Workshop verließ und Thomas und Thorsten noch bei der Kollimierung des 10 Zoll Newtons half. Nach einer weiteren Runde über dem Platz sah ich mir am Stand vom Teleskop Shop Ost die neue Fernglasreihe von APM Telescopes an, die mit guter Korrektur auf der Achse und einer exzellenten Randschärfe aufwarten konnte. Auch das neue Nikon-Fernglas am Stand von Intercon Spacetec überzeugte, war mir aber vom Preis her deutlich zu teuer. Zum Abend hin traf auch Christian aus Burg ein, so dass nun die Südkurve fast vollständig anwesend war. Als die Nacht hereingebrochen war, richtete ich meine StarAdventurer ein. Auch Christian hatte seine Nachführplattform mitgebracht, mit der er im Mai diesen Jahrs in Namibia fotografieren und beeindruckende Fotos mit nach Hause bringen konnte. Er konnte mich überzeugen, irgendwann mal einen eigenen MGEN (standalone Autoguider) zu besorgen, damit ich irgendwann mit langen Brennweiten länger belichten kann als nur maximal 3 Minuten.

Die Südkurve am Freitag Nachmittag

Leider herrschte in dieser Nacht eine extreme Luftfeuchtigkeit vor, so dass die Teleskope an der Südkurve schon frühzeitig mit Tau beschlugen. Ich musste Anja und Michaela mit meinem 12V Fön aushelfen, da auch ihr 4 Zoll Refraktor vollständig zugetaut war. Bis 20 Grad hoch über dem Horizont war die Durchsicht in allen Himmelsrichtungen schlecht bis miserabel. Nur die Zenitregion konnte mit guter Durchsicht aufwarten, so dass ich meine Kamera in Richtung des Sternbilds Schwan drehte. In Richtung Norden war die Lichterglocke von Berlin kaum auffällig. Wahrscheinlich verhinderte hier eine Inversionsschicht, dass das Licht der Großstadt in Richtung Himmel gestreut wird. Dagegen behinderte die extrem auffällige Lichterglocke von Herzberg eine Beobachtung bis rauf in das Sternbild Adler.

Die Sommermilchstraße mit Nebelgebieten bei Deneb und Gamma Cygni im Schwan
Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 f1.8 STM, F/4, ISO-800, 29×7 Min mit Skywatcher StarAdventurer

Nachdem wir einige Standardobjekte, u.a. Messier 31, h & Chi Persei sowie den Zirrusnebel, mit meinem 8 Zoll Dobson beobachtet hatten, brachen die Mädels und ich in Richtung Riesendobson auf. Wir wollten einige Stimmungsbilder in der Nähe des Teleskops aufnehmen, wo sich schon den ganzen Abend eine Menschentraube gebildet hatte. Die beiden hatten dort auch die Gelegenheit, zum 1. Mal durch einen ein Meter Spiegel zu schauen. Denn im letzten Jahr wurde das Teleskop, aufgrund der ebenso schlechten Wetteraussichten, nicht aufgebaut. Der Anblick der Andromedagalaxie überzeugte, irgendwann ein größeres Teleskop anzuschaffen. Nach einem kurzen Mitternachtssnack zurück in der Südkurve, fand man sich schließlich in geselliger und feucht fröhlicher Runde wieder. Gelegentlich guckten wir auch mal durch ein Teleskop, falls es noch nicht ganz beschlagen war. Gegen 2 Uhr wurde es auch auf der großen Wiese langsam etwas ruhiger. Nachdem wir einen Blick auf den überraschend lichtschwachen Kometen C/2017 O1 (ASASSN) nahe der Plejaden geworfen hatten, waren die meisten Sternfreunde an der Südkurve schon in ihren Schlafsäcken verschwunden. Nur Speedy, der seine Deep-Sky-Aufnahme des Pacman-Nebels fertigstellen wollte, und ich waren zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Platz.

Freitag Nacht am Riesendobson

Samstag

Nach einer deutlich kürzeren und ziemlich kalten Nacht, entschieden wir uns kurz nach dem Frühstück einvernehmlich, das Lager abzubauen. Denn für die kommende Nacht wurde ergiebige Regenfälle vorhergesagt, die sich noch bis in den Sonntagmorgen hinein erstrecken sollten. Gegen Mittag brachen dann die meisten Astrofreunde unserer Südkurve die Heimreise an. Nur Christian, Jörg und unsere beiden Damen hielten noch etwas länger durch. Nachdem wir uns von Jörg verabschiedet hatten und um die Zeit bis zum Hauptvortrag mit Daniel Fischer zu überbrücken, gingen wir in den nahe gelegenen Wald auf Pilzsuche und konnten schon nach einer Stunde knapp 5 Kilo Maronen heraus tragen. Andere Vorträge, die zu diesem Zeitpunkt stattfinden, besuchten wir nicht, obwohl ich gern bei der Präsentation des eVscope französischer Sternfreunde teilgenommen hätte, wovon einige unserer Südkurvenmitglieder schwärmten.

Das Ergebnis ausgiebigen Sammelns – Michaela, Christian und Anja vor der „Beute“

Im Vortragsraum traf ich dann auf Christoph, Rick und Ilka von den Kirchhainer Sternfreunden, die unsere Gruppe am Standort auf der Südwiese schon vermissten. Während des Vortrags über Astrofotografie mit einfachen Mitteln, war es leider extrem schwierig, Daniel Fischer zu folgen, da der Referent sehr schnell und überwiegend in Richtung der Leinwand und nicht zum Publikum sprach. So bekamen wir auf den hinteren Plätzen nur 20% vom Vortrag mit. Auch kam mir die Präsentation der Bilder etwas zu lang vor. Am Interessantesten fand ich aber die Bilder von der Sonnenfinsternis vom 21. August 2017, den der Referent in Oregon beobachten konnte. Danach saßen wir noch in geselliger Runde im H-Alpha-Biergarten zusammen. In der Zwischenzeit hatte es auch begonnen ausgiebig zu regnen. Glücklicherweise hatten wir alle zu diesem Zeitpunkt schon unsere Campingausrüstung sicher und trocken in den Fahrzeugen verstaut.

Die Sommermilchstraße verschwindet im Westen im Horizontdunst

Rick hatte extra für das Treffen einen 10 Liter Kanister Met besorgt, den wir zur Hälfte leeren konnten. Auch Daniel Fischer und Stefan Simon (vom Astroteam Elbe-Elster) freuten sich auf ein Glas Honigwein, denn um 23:00 Uhr schloss die H-Alpha Bar ihre Pforten bis zum nächsten Jahr. Gegen 23:30 Uhr verabschiedete ich mich von den Kirchhainern sowie von Anja und Michaela, die ebenfalls wie ich die Heimreise antraten.

Im nächsten Jahr findet das 19. Herzberger Teleskoptreffen zwischen dem 6. und 9. September 2018 statt, bei hoffentlich deutlich besseren Wetteraussichten…

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2 Kommentare

1 Ping

    • Uchemnitz on 1. Oktober 2017 at 15:02

    Hallo Andreas,
    schöner Bericht 🙂 gut zusammen gefasst.
    Erwähnt müssen noch Mirko und Tino, welche auf der Fotowiese schon seit Dienstag campierten
    und auch zum erweiterten Südkurvenkreis zählen.
    Bis zum nächsten Treffen
    Uwe

    • Andreas on 2. Oktober 2017 at 11:59
      Author

    Die gabs natürlich auch noch. Allerdings habe ich sie nur selten bei uns gesehen. 😉

  1. […] am heutigen Tage Begegnungen mit dem EVT (Reaktionen hier und hier) – und nach der Rückkehr von der Starparty am folgenden Abend in Königswinter noch ein netter Mond tief am […]

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