Lulin suboptimal

Zeichnung des Kometen C/2007 N3 Lulin am 4. März 2009Wenn man ver­zwei­felt ist, greift man nach jedem Stroh­halm. Und nach der Wet­ter­plei­te mit Lulin in der ver­gan­ge­nen Woche, beob­ach­tet man sogar bei schlech­ten Bedin­gun­gen und zu ungüns­ti­ger Zeit. Manch­mal kann das Hob­by Astro­no­mie echt frus­trie­rend sein. 🙁
Ich leg­te mich also am Diens­tag­abend auf die Lau­er, weil der Wet­ter­be­richt aus­nahms­wei­se mal eine Bes­se­rung von der sonst so dich­ten Wol­ken­sup­pe ver­spro­chen hat­te. Es soll­te abends auf­kla­ren. Und so war es anfangs auch, als sich gegen 18.00 Uhr nur noch weni­ge Wol­ken zeig­ten. Aller­dings ver­sprach die Vor­her­sa­ge von Meteo­blue für die frü­hen Mor­gen­stun­den des 4. März nichts Gutes. Von Süd­os­ten her soll­ten neue Wol­ken hin­zu­kom­men und mir wie­der mal einen Strich durch die Rech­nung machen. Der Zeit­punkt für die Beob­ach­tung war eben­falls mehr als ungüns­tig, weil der zuneh­men­de Mond erst gegen 2:30 Uhr unter­ge­hen soll­te. Aber ich war trotz­dem noch opti­mis­tisch.

Ich ver­such­te gegen 20:00 Uhr Lulin mit dem Fern­glas auf­zu­spü­ren, nach­dem ich mei­nen Kram ins Auto gepackt hat­te. Aber der Mond stör­te die Beob­ach­tung ziem­lich stark, so dass ich nur einen mat­ten und aus­ge­dehn­ten Fleck wahr­neh­men konn­te. Also hieß es erst mal abwar­ten und so ver­trieb ich mir die Zeit mit den DVDs der 2. Staf­fel Batt­le­star Galac­ti­ca – weil ich erst gegen 1:00 Uhr zu unse­rem Beob­ach­tungs­ort fah­ren woll­te. Ein kur­zer Blick zum Him­mel um Mit­ter­nacht trüb­te mei­ne Stim­mung etwas: Es zeig­ten sich zuneh­mend Wol­ken­fel­der. Auch schien es so, dass sich etwas Hoch­ne­bel gebil­det hat­te. Soll­te Mur­phy, wie immer bei astro­no­mi­schen Groß­ereig­nis­sen, schon wie­der sie­gen?

Egal, ich fuhr trotz­dem raus und als ich ankam, war der Him­mel zu 80% dicht. Ich hat­te aber noch etwas Zeit, bevor der Mond unterm Hori­zont ver­schwin­den wür­de und so nutz­te ich eine Wol­ken­loch um den Kome­ten mit dem 10×50 Fern­glas zu beob­ach­ten. Durch den Hoch­ne­bel war der Anblick eher ent­täu­schend. Kein Ver­gleich mit mei­ner erst Sich­tung am ver­gan­ge­nen Frei­tag. Es war lei­der nur ein mat­ter, ziem­lich gro­ßer und ova­ler Fleck sicht­bar. Ich war schon drauf und dran wie­der nach Hau­se zu fah­ren, als sich die Bedin­gun­gen von Osten her etwas bes­ser­ten. Trotz­dem war, bis in einer Höhe von 30 bis 40 Grad, der Him­mel ein­ge­trübt. Der Mond ver­steck­te sich hin­ter Wol­ken und Dunst. Nur in Zenit­nä­he war es zeit­wei­se etwas bes­ser. Des­halb bau­te ich gegen 1:45 Uhr doch noch mei­nen Lidl auf.

Auch mit dem Tele­skop war der Anblick ent­täu­schend und kei­nes­falls bes­ser wie im Fern­glas. Die 5,6 mag hel­le und visu­ell rund 15 Bogen­mi­nu­ten gro­ße Koma war groß und aus­ge­dehnt. Die inne­re Koma war etwas hel­ler, der fal­se nucleus stern­ar­tig. Nur ansatz­wei­se war im Oku­lar der ca. 1° lan­ge und spitz zulau­fen­de Schweif erkenn­bar. Indi­rek­tes Sehen war erfor­der­lich und als sich die Sicht­be­din­gun­gen für weni­ge Minu­ten ver­bes­ser­ten, konn­te der Schweif zumin­dest erahnt wer­den. Wäh­rend der Beob­ach­tung konn­te ich sei­ne gro­ße Eigen­be­we­gung am Him­mel gut nach­voll­zie­hen. Trotz­dem ver­schlech­ter­ten sich die Bedin­gun­gen für den Kome­ten zuse­hends, obwohl das Mond­licht gegen halb drei Uhr mor­gens nicht mehr stör­te. Er neig­te sich immer tie­fer dem West­ho­ri­zont ent­ge­gen und ver­blass­te lang­sam in der Hoch­ne­bel­sup­pe. So bau­te ich um 2:45 Uhr wie­der ab, weil es eher schlech­ter als bes­ser wur­de. Lang­sam gewan­nen auch die Wol­ken mit­samt dem Nebel die Ober­hand.

C/2007 N3 Lulin wird erst in 49,5 Mil­lio­nen Jah­ren wie­der­kom­men. Wenigs­tens habe ich ihn mal durchs Tele­skop gese­hen und es ist sogar – jeden­falls mehr schlecht als recht – eine Zeich­nung ent­stan­den. Jetzt wird der Mond zuse­hends die Beob­ach­tung stö­ren und erst im letz­ten hät­te März­drit­tel hat man wie­der die Chan­ce, ihn zu beob­ach­ten. Tja, wenn das Wet­ter dies­mal ein Ein­se­hen mit mir hat. Sei­ne Hel­lig­keit wird dann aber schon unter 7,5 mag abge­fal­len sein.

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