Weltuntergang verschoben: Komet C/2010 X1 Elenin in Auflösung

Wie schon seit Wochen von Kome­ten­be­ob­ach­tern befürch­tet, wird Komet C/2010 X1 Ele­nin sein Peri­hel wohl nicht über­le­ben. Das bedeu­tet auch, dass wir kei­nen hel­len Kome­ten von rund 5 Magnitu­den Hel­lig­keit im Okto­ber am Nacht­him­mel zu Gesicht bekom­men wer­den!

Zur­zeit hält sich der Komet, mit gerin­ger Elon­ga­ti­on zur Son­ne, am Süd­him­mel auf. Er soll­te Anfang Okto­ber aber­mals in unse­ren Brei­ten sicht­bar wer­den und nach­ein­an­der die Stern­bil­der Löwe, Krebs, Zwil­lin­ge und Stier durch­lau­fen. Nun wird Ele­nin, trotz sei­ner bevor­ste­hen­den Son­nen­nä­he, wie­der schwä­cher als 8 mag. Die Koma wird immer mehr in die Län­ge gezo­gen und erscheint deut­lich dif­fu­ser als noch vor weni­gen Tagen. Das ist ein untrüg­li­ches Zei­chen, dass der Schweif­stern in Auf­lö­sung begrif­fen ist. Die Auf­lö­sung von Komet Ele­nin ist kein Ein­zel­fall und erin­nert stark an den Kome­ten C/1999 S4 LINEAR, des­sen Hel­lig­keits­pro­gno­se eben­falls recht güns­tig war.

Wirk­lich scha­de um Komet Ele­nin, der zum Peri­hel­zeit­punkt im C3-Koro­no­gra­phen der Son­nen­son­de SOHO wohl eine gute Show abge­lie­fert hät­te. Er soll­te am 26. Sep­tem­ber nur 2 Grad nörd­lich an unse­rem Zen­tral­ge­stirn vor­bei­zie­hen! Ich hat­te im Herbst eine Beob­ach­tungs­kam­pa­gne geplant und woll­te einen umfang­rei­chen Arti­kel (die Hälf­te war schon geschrie­ben) sowie ein Info­blatt zur Sicht­bar­keit ver­öf­fent­li­chen. Außer­dem stand der Komet im Blick­punkt diver­ser Welt­un­ter­gangs­fa­na­ti­ker um den angeb­li­chen Welt­un­ter­gang 2012. Mit dem bevor­ste­hen­den Ende Elenins, hat sich wenigs­tens die­ser Teil des Schwach­sinns erle­digt. 😉

C/2010 X1 Ele­nin wur­de am 10. Dezem­ber 2010 vom rus­si­schen Ama­teur­as­tro­no­men Leo­nid Ele­nin aus Lyu­bertsy (Russ­land) als 19,1 mag hel­les Objekt und mit Hil­fe des fern­ge­steu­er­ten 18 Zoll Tele­skops des Inter­na­tio­nal Sci­en­ti­fic Opti­cal Network’s robo­tic obser­vato­rys (ISON-NM) in May­hill (New Mexi­ko, USA) ent­deckt.
Eine ers­te vor­läu­fi­ge Bahn wur­de nur eine Woche nach der Ent­de­ckung Elenins von G.V. Wil­liams berech­net, der 33 Posi­ti­ons­mes­sun­gen nutz­te und die Son­nen­nä­he für den 1. April 2010 mit 5,15 AE zur Son­ne bestimm­te. Wil­liams ver­mu­te­te, dass der Komet kurz­pe­ri­odisch sei. Das Minor Pla­net Cen­ter (MPC) berech­ne­te nur einen Tag spä­ter eine deut­lich ande­re Bahn. Es zeig­te sich, dass Ele­nin in Wahr­heit lang­pe­ri­odisch ist, die Son­nen­nä­he am 5. Sep­tem­ber 2011 mit 0,45 AE errei­chen und mit 3,5 mag Hel­lig­keit even­tu­ell mit blo­ßem Auge sicht­bar wer­den wür­de. Nach­fol­ge­be­ob­ach­tun­gen bestä­tig­ten die Bahn und zeig­ten eini­ge Mona­te spä­ter eine etwas gerin­ge­re abso­lu­te Hel­lig­keit und eine Sicht­bar­keit in Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen. Dem­nach erreicht C/2010 X1 Ele­nin am frü­hen Abend des 10. Sep­tem­ber sein Peri­hel, knapp inner­halb der Mer­kur­bahn, und wird der Son­ne bis auf 0,4825 AE bzw. 72,18 Mil­lio­nen Kilo­me­tern nahe kom­men. Im Gegen­satz zum aktu­ell güns­tig am Abend­him­mel plat­zier­ten Kome­ten C/2009 P1 Garradd, des­sen Bahn senk­recht zur Eklip­tik ver­läuft, ist die Umlauf­bahn um 1,84 Grad gegen die Eklip­tik geneigt. Die Erd­nä­he wird am 16. Okto­ber 2011 mit nur 0,23 AE bzw. 35 Mil­lio­nen Kilo­me­tern Abstand durch­lau­fen.

Quel­len: Sou­thern Comets Home­page, Forum Astronomie.de, Comets Mai­ling List

Peri­hel­da­tum T2011 Sep­tem­ber 10.7227
Peri­hel­ab­stand q0.482465
Exzen­tri­zi­tät e1.000028
Argu­ment des Peri­hels ω343.8056
Län­ge des auf­stei­gen­den Kno­tens Ω323.2267
Inkli­na­ti­on i1.839
Hel­lig­keits­pa­ra­me­term1 = 10.0 + 5 log d + 10.0 log r
Bahn­ele­men­te C/2011 X1 Ele­nin

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6 Kommentare

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    • nilisis on 20. September 2011 at 11:47

    Hi!

    Bis wann wird sich Ele­nin auf­lö­sen? Gibts dazu Daten/Fakten?
    Und ich hät­te ger­ne eine fun­dier­te Mei­nung zu den doch recht eigen­ar­ti­gen Zusam­men­hän­gen (sofern über­haupt vor­han­den) zu den gro­ßen Erd­be­ben­da­ten der letz­ten Zeit.

    Das wäre ganz toll!
    Anbei ein Arti­kel, in dem die Erde/­Son­ne/E­le­nin-Kon­stel­la­tio­nen mit den Erd­be­ben in Zusam­men­hang gebracht wer­den (auf you­tube fin­den sich auch Vide­os zu dem The­ma)

    http://www.wahrheiten.org/blog/2011/08/22/elenin-der-unterschaetzte-komet/

    Lg
    Nili

    • Andreas on 28. September 2011 at 01:55
      Author

    Der Komet hat sich bereits auf­ge­löst.

    Übri­gens ver­ste­he ich die gan­zen Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker um den “Welt­un­ter­gang 2012” Hum­bug nicht: Wie kann ein klei­ner Eis­bro­cken (und das ist/war der Komet offen­sicht­lich) Ein­fluss auf irdi­sche Beben haben?

    Sie­he auch den Arti­kel in Flo­ri­an Frei­stetters Blog

    • elenin on 28. September 2011 at 19:17

    Ich hof­fe auf zumin­dest das man den Kome­ten Ele­nin zu Gesicht bekommt!
    http://www.elenin-nibiru.com habe ich ein Video gese­hen über den Kome­ten Ele­nin der jetzt sicht­bar sein soll­te und im Okto­ber für das blo­se Auge! und Niri­bu kommt ein Jahr spä­ter oder so 😉

    • Uwe A.- Südkurve on 29. September 2011 at 11:29

    Hi,
    Ele­nin ist zer­brö­selt, jetzt ca. 13 mag hell und wird somit bei uns mit Sicher­heit weder zu sehen sein noch Unheil anrich­ten. Aktu­el­le Kome­ten guckst du hier:http://www.ki.tng.de/~winnie/kometen/aktuell.html
    Und in einen Jahr kommt alles mög­li­che aber nicht Nibi­ru weil es ein Fan­ta­sie­ob­jekt ist.
    Es gibt immer ein paar wel­che den Welt­un­ter­gang vor­her­sa­gen, wenn es uns mal erwischt dann sicher­lich kalt ohne Vor­war­nung.
    Dafür hat die Natur zu wenig Humor.
    Grü­ße Uwe

    • Andreas on 29. September 2011 at 19:50
      Author

    Um mal mit dem gan­zen “Welt­un­ter­gang 2012” Unsinn auf­zu­räu­men: Welt­un­ter­gang 2012: Fra­gen und Ant­wor­ten

    • Andreas on 26. Oktober 2011 at 15:49
      Author

    Bei Astronews.com gib­tes fol­gen­des zu lesen über Komet Ele­nin

    Der nach sei­nem Ent­de­cker Leo­nid Ele­nin benann­te Komet C/2010 X1 ist ver­mut­lich in zahl­rei­che klei­ne Trüm­mer­tei­le zer­bro­chen. Der ursprüng­lich rund zwei Kilo­me­ter durch­mes­sen­de Bro­cken sorg­te in den ver­gan­ge­nen Mona­ten in ein­schlä­gi­gen Inter­net­blogs für so viel Auf­re­gung, dass sich die NASA im August sogar zu einer Stel­lung­nah­me ver­an­lasst sah. Eine Gefahr für die Erde war Ele­nin jedoch nie.

    Auch Flo­ri­an Frei­stet­ter schreibt über Ele­nin: Komet Ele­nin exis­tiert nicht mehr

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