Die Sonnenfinsternis am 20. März und der Tag der Astronomie

Partielle Sonnenfinsternis vom 31. Mai 2003Nach über vier Jah­ren Absti­nenz, kom­men wir in den Vor­mit­tags- und Mit­tags­stun­den des 20. März 2015 wie­der in den Genuss einer Son­nen­fins­ter­nis. Die­se tota­le Son­nen­fins­ter­nis ist von Mit­tel­eu­ro­pa und vom deut­schen Sprach­raum aus gese­hen par­ti­ell und geht mit einem hohen Bede­ckungs­grad sowie mit einem spür­ba­ren Hel­lig­keits­ab­fall mit­ten am Tage ein­her. Die Zone der tota­len Ver­fins­te­rung zieht sich in einem Bogen zwi­schen Grön­land und Island im Nord­at­lan­tik ent­lang und trifft lei­der nicht das euro­päi­sche Fest­land. In Ham­burg wer­den 79% und in Ber­lin immer­hin noch 74% der Son­nen­schei­be vom Mond bedeckt. In Zürich sind es 69% und in Wien noch 63%. Es han­delt sich um die letz­te vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus beob­acht­ba­re Son­nen­fins­ter­nis bis zum 10. Juni 2021! Erst im August 2026 wird der Kern­schat­ten des Mon­des aber­mals Euro­pa tref­fen und es wie­der eine tota­le Son­nen­fins­ter­nis geben.

Die Fins­ter­nis beginnt von mei­nem Hei­mat­stand­ort Lüb­ben aus gese­hen mit dem 1. Kon­takt um 9:38 Uhr MEZ und endet mit dem 4. Kon­takt um 11:58 Uhr. Die Son­nen­hö­he wird zwi­schen 30 und 40 Grad betra­gen, so dass die Son­ne in guter Beob­ach­tungs­po­si­ti­on ste­hen wird.

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Loka­ler Ver­lauf der Son­nen­fins­ter­nis vom 20. März 2015 mit Kontaktzeiten

Verlauf

Die par­ti­el­le Pha­se der Fins­ter­nis ist von Neu­fund­land über Grön­land, Island, den Nor­den Afri­kas, ganz Euro­pa, Nord­west­asi­en und bis in die Ark­tis hin­ein sicht­bar. Sie ist die 61. Fins­ter­nis des 120. Saros-Zyklus, der ins­ge­samt 71 Son­nen­fins­ter­nis­se umfasst. Die­ser Zyklus begann am 27. Mai 933 und wird am 7. Juli 2197 enden. Die Grö­ße der Fins­ter­nis beträgt das 1,045 fache des schein­ba­ren Sonnendurchmessers.

Animation des Verlaufs der Sonnefinsternis

Ani­ma­ti­on des Ver­laufs der Son­nen­fins­ter­nis am 20. März 2015

Die Son­nen­fins­ter­nis beginnt glo­bal gese­hen am 20. März mit dem 1. Kon­takt um 8:41 Uhr am Ort 23°13′ west­li­cher Län­ge und 20°14′ nörd­li­cher Brei­te und endet mit dem 4. Kon­takt um 12:50 Uhr am Ort 94°04′ öst­li­cher Län­ge und 56°06′ nörd­li­cher Brei­te. Die Kern­schat­ten­zo­ne des Mon­des berührt erst­mals im Nord­at­lan­tik die Erd­ober­flä­che und wan­dert dann zwi­schen Island und den Bri­ti­schen Inseln hin­durch über die Färö­er Inseln hin­weg zum nor­we­gi­schen Sval­bard-Archi­pel auf Spitz­ber­gen und berührt zum letz­ten Mal die Erd­ober­flä­che im nörd­li­chen Eis­meer. Dabei erreicht der Kern­schat­ten eine maxi­ma­le Brei­te von 463 Kilo­me­ter. Das Maxi­mum der tota­len Ver­fins­te­rung, mit 2 Minu­ten und 47 Sekun­den Län­ge, wird um 10:46 Uhr am Ort 5°39′ west­li­cher Län­ge und 64°26′ nörd­li­cher Brei­te erreicht. Die­ser Ort liegt mit­ten im Nord­at­lan­tik zwi­schen Island und Skan­di­na­vi­en. Spitz­ber­gens Haupt­stadt Lon­gye­ar­by­en liegt fast genau auf der Zen­tral­li­nie. Dort wird die 11 Grad hoch ste­hen­de Son­ne 2 Minu­ten und 31 Sekun­den voll­stän­dig vom Mond bedeckt.

Globale Ansicht der Totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015

Glo­ba­le Ansicht der Tota­len Son­nen­fins­ter­nis vom 20. März 2015

Lei­der sind die Wet­ter­um­stän­de für die­se Fins­ter­nis denk­bar ungüns­tig, da es zu die­ser Jah­res­zeit, vor allem im Nord­at­lan­tik, zu star­ker Wol­ken­bil­dung kommt. Auf Spitz­ber­gen wird ein Wol­ken­be­de­ckungs­grad von 70 bis 80% vor­aus­ge­sagt. Auch Mit­tel­eu­ro­pa kommt nicht beson­ders gut weg, da hier eben­falls ein durch­schnitt­li­cher Bede­ckungs­grad zwi­schen 60 und 70% erwar­tet wird. Deut­lich bes­se­re Wet­ter­be­din­gun­gen gibt es in fast ganz Spa­ni­en und Por­tu­gal sowie im nörd­li­chen Afrika.

Die Finsternis beobachten

ProjektionsmethodeDie Son­ne soll­te man nie unge­schützt beob­ach­ten, da sonst schwe­re Augen­schä­den die Fol­ge sein kön­nen! Nur in den weni­gen Minu­ten der voll­stän­di­gen Tota­li­tät, wenn der Mond die glei­ßen­de Son­nen­schei­be kom­plett abdeckt, ist eine gefahr­lo­se Beob­ach­tung mit dem unge­schütz­tem Auge mög­lich. Im astro­no­mi­schen Fach­han­del gibt es aber geeig­ne­te Fil­ter (z.B. Son­nen­fil­ter­fo­lie oder Glas­fil­ter), die man vor der Öff­nung eines Tele­skops, Tele­ob­jek­tivs oder Fern­gla­ses befes­tigt kann. Die­se Fil­ter blo­cken über 99,5% des sicht­ba­ren Lichts und die nicht min­der gefähr­li­che unsicht­ba­re Infra­rot­strah­lung ab. Bau­an­lei­tun­gen für einen Objek­tiv­son­nen­fil­ter aus Baa­der-Solar­fo­lie gibt es zum Bei­spiel auf die­ser Sei­te. Beob­ach­tet man ohne opti­sche Hilfs­mit­tel, soll­te man die Augen mit einer geeig­ne­ten Son­nen­fins­ter­nis­bril­le schüt­zen, die eben­falls für wenig Geld im Optik- bzw. Astro­no­mie­fach­han­del erhält­lich ist. Völ­lig unge­fähr­lich ist hin­ge­gen die Pro­jek­ti­ons­me­tho­de mit Hil­fe eines Fern­gla­ses oder Fern­roh­res, wobei die Son­ne auf ein wei­ßen Kar­ton bzw. ein wei­ßes Blatt Papier im ent­spre­chen­den Abstand hin­ter dem Oku­lar pro­ji­ziert wird. Das hat auch den Vor­teil, dass meh­re­re Beob­ach­ter gleich­zei­tig das Ereig­nis ver­fol­gen kön­nen. Am bes­ten beob­ach­tet man aber mit erfah­ren­den Stern­freun­den, die die pas­sen­de Aus­rüs­tung zur gefahr­lo­sen Son­nen­be­ob­ach­tung ohne­hin schon besit­zen. Auch vie­le Astro­no­mie­ver­ei­ne, wis­sen­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und Volks­stern­war­ten wer­den an die­sem Tag öffent­li­che Beob­ach­tun­gen und Füh­run­gen anbie­ten, so dass das Ereig­nis für Jeder­mann zum Erleb­nis wird.

Selbst gebau­ter Objek­tiv-Son­nen­fil­ter aus Baader-Sonnenfilterfolie

Auch für uns, die HTT-Süd­kur­ve, steht das astro­no­mi­sche Ereig­nis ganz oben auf unse­rer Agen­da. Wir wer­den und zu einem gemein­sa­men Tref­fen in Fins­ter­wal­de (Elbe-Els­ter) ver­ab­re­den und die Fins­ter­nis im Weiß- und H‑Al­pha-Licht beob­ach­ten. Natür­lich wer­den wir wie­der – ähn­lich wie beim Venus­durch­gang 2012, wo wir unheim­li­ches Glück mit dem Wet­ter hat­ten – das Ereig­nis foto­gra­fisch doku­men­tie­ren. Ein ent­schei­den­der Punkt zum Gelin­gen die­ses Unter­neh­mens ist natür­lich wie­der ein­mal das deut­sche Wet­ter. Aber wir sind zuver­sicht­lich, dass wir bei schlech­tem Wet­ter wenigs­tens ab und zu die vom Mond ver­fins­ter­te Son­ne durch eine Wol­ken­lü­cke erha­schen können.

Sonnenbeobachtung

Unser Süd­kur­ven­mit­glied Uwe Asmus beob­ach­tet die Son­ne wäh­rend des Venus­tran­sits 2012 durch ein mit Objek­tiv-Son­nen­fil­ter aus­ge­stat­te­tes Teleskop

Der deutschlandweite Astronomietag am 21. März

Schattenwurf von Io auf JupiterIn die­sem Jahr lau­tet das über­aus pas­sen­de Mot­to des Astro­no­mietages „Schat­ten­spie­le im All“. Am Frei­tag, zur Son­nen­fins­ter­nis, wer­den vie­le Volks­stern­war­ten und Pla­ne­ta­ri­en zum gemein­sa­men Beob­ach­ten auf­ru­fen, so dass die­ses Ereig­nis in der Öffent­lich­keit ein brei­tes Inter­es­se fin­det. Gleich­zei­tig kann dann auf den Astro­no­mietag am Sams­tag, der all­jähr­lich von der Ver­ei­ni­gung der Stern­freun­de e.V. (VdS) aus­ge­tra­gen wird, auf­merk­sam gemacht wer­den. Denn am Abend des 21. März gegen 21 Uhr wird der Jupi­ter­mond Io vor der Schei­be des Rie­sen­pla­ne­ten vor­bei­zie­hen und sei­nen Schat­ten auf den Pla­ne­ten wer­fen, so dass poten­ti­el­le Beob­ach­ter auf Jupi­ter eben­falls eine Son­nen­fins­ter­nis erle­ben können. 🙂

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Venus, Mars und Mond­si­chel am Abend des 20. Febru­ar 2015

Neben Jupi­ter, kann kurz nach Son­nen­un­ter­gang auch unser Schwes­ter­pla­net Venus als Abend­stern im Wes­ten auf­ge­fun­den wer­den. Noch wei­ter in Rich­tung West­ho­ri­zont steht noch unser roter Nach­bar­pla­net Mars, der pünkt­lich zum Astro­no­mietag Besuch von der sehr schma­le Mond­si­chel erhält. Beson­ders beein­dru­ckend ist es den Erd­schein auf der unbe­leuch­te­ten Sei­te des Mon­des zu beob­ach­ten. Des Wei­te­ren soll­te man noch einen Blick auf den Kome­ten C/2014 Q2 (Lovejoy) im Stern­bild Kas­sio­peia erha­schen kön­nen, der immer noch sehr leicht in Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen auf­ge­fun­den wer­den kann und bei Ein­bruch der Dun­kel­heit in einer guten Beob­ach­tungs­po­si­ti­on steht.

Astronomietag

Tag der Astro­no­mie 2011 an der Volks­stern­war­te Doberlug-Kirchhain

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Astro­no­mietag und zu astro­no­mi­schen Ver­an­stal­tun­gen in der Nähe, gibt es auf der Sei­te der VdS.

Wei­ter­füh­ren­de Links:

NASA Eclip­se Website
Sonnenfinsternis.info – Schat­ten über dem Nordmeer
Astro­in­fo – Son­nen­fins­ter­nis 20. März 2015
Wikipedia.de – Son­nen­fins­ter­nis vom 20. März 2015

Kon­takt­zei­ten zur Tota­len Son­nen­fins­ter­nis vom 20. März 2015 für ver­schie­de­ne Orte in Mitteleuropa
OrtBeginnMit­te / HöheEndeGrö­ße
Ber­lin9:38 Uhr10:47:22 Uhr / 34°11:58 Uhr78.8%
Basel9:25 Uhr10:33:18 Uhr / 35°11:45 Uhr75.9%
Frankfurt/Main9:30 Uhr10:38:23 Uhr / 34°11:49 Uhr78.9%
Genf9:21 Uhr10:29:27 Uhr / 35°11:41 Uhr74.9%
Graz9:33 Uhr10:42:48 Uhr / 39°11:54 Uhr68.6%
Ham­burg9:36 Uhr10:44:41 Uhr / 32°11:55 Uhr82.8%
Inns­bruck9:29 hr10:37:45 Uhr / 30°11:49 Uhr72.4%
Köln 9:29 Uhr10:37:34 Uhr / 33°11:48 Uhr81.4%
Mün­chen9:30 Uhr10:39:11 Uhr / 37°11:51 Uhr73.6%
Ros­tock9:39 Uhr10:47:49 Uhr / 33°11:58 Uhr82,0%
Salz­burg9:31 Uhr10:40:39 Uhr / 38°11:52 Uhr71.8%
Stutt­gart9:28 Uhr10:37:06 Uhr / 35°11:48 Uhr76.5%
Wien9:36 Uhr10:45:41 Uhr / 39°11:57 Uhr69.7%
Zürich9:26 Uhr10:34:12 Uhr / 36°11:46 Uhr74.9%

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

2 Kommentare:

  1. Pingback:Alle Infos zur SoFi am 20. März 2015 oder Wo schaut Ihr Euch die Sonnenfinsternis an? - Clear Sky-Blog

  2. Pingback:Nun keine fünf Tage mehr bis zu Europas SoFi … | Skyweek Zwei Punkt Null

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