Spechtelnacht im T‑Shirt und Optiktest

Die war­men Som­mer­mo­na­te im August sind die­ses Jahr ide­al, um in die Ster­ne zu schau­en. Man kann es, Dank der tro­pi­schen Näch­te mit über 20°C, sogar in kur­zen Hosen und T‑Shirt bewerk­stel­li­gen. Neben­bei war in der ers­ten Monats­hälf­te und Nacht­hälf­te die Inter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS am Him­mel prä­sent und zog als auf­fäl­li­ger Punkt regel­mä­ßig durch das Som­mer­drei­eck. So lohn­te es sich, auch mal öfters zur spä­ten Stun­de raus zu gehen, auch wenn Deep-Sky-Beob­ach­tun­gen noch nicht loh­nen. Denn dafür stör­te lei­der noch der abneh­men­de Mond die Sze­ne­rie. Erst ab dem 2. Monats­drit­tel ging der Mond dann erst nach Mit­ter­nacht auf, so dass man end­lich die Gele­gen­heit hat­te, zwei Stun­den bei abso­lu­ter Dun­kel­heit zu beob­ach­ten. In der Nacht vom 12. auf den 13. August war es dann end­lich soweit. Ich woll­te das Maxi­mum der Per­sei­den beob­ach­ten und berei­te­te schon alles vor. Pünkt­lich zum Maxi­mum lag aber der Osten der Repu­blik unter einer geschlos­se­nen Wol­ken­de­cke. Wenigs­tens ver­sprach die kom­men­de Nacht für Beob­ach­tun­gen auch eini­ger Per­sei­den­nach­züg­ler ide­al zu wer­den. Und so war es dann auch…

ISS_Sommer

Die ISS am 5. August 2015, 23:21 Uhr MESZ

Ich fuhr kurz vor 21 Uhr raus  zu mei­nem Beob­ach­tungs­stand­ort und bau­te erst mal in aller Ruhe die Aus­rüs­tung auf. Nach der Wäsche des Haupt­spie­gel mei­nes 8 Zoll Dob­son eine Woche zuvor, woll­te ich die nun wie­der sau­be­re Optik mal gründ­lich am Ster­nen­him­mel tes­ten. Eben­falls mit dabei hat­te ich die Astro­trac, mit der ich in die­ser Nacht zwei Milch­stra­ßen­re­gio­nen auf­neh­men woll­te. Vor eini­gen Wochen hat­te ich mir das Canon EF 50 mm f/1.8 STM Objek­tiv zuge­legt und den alten „Joghurtbecher„verkauft, mit dem ich nie wirk­lich völ­lig zufrie­den war. Nun muss­te das neue Objek­tiv sei­ne Leis­tung am Ster­nen­him­mel unter Beweis stel­len. Und ich muss sagen, dass sich die Inves­ti­ti­on gelohnt hat. Denn bei f/4 waren kei­ner­lei chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on erkenn­bar. Auch die Ecken des Bil­des zeig­ten schön run­de Ster­ne. Das alte 50er Objek­tiv war mei­ner Mei­nung nach kaum für astro­no­mi­sche Auf­nah­men zu gebrau­chen. Es sei denn, man blen­det auf f/5.6 ab. Des Wei­te­ren hat­te ich noch die Canon 600D ein­ge­packt und hat­te die Hoff­nung, mit die­ser ein­zel­nen Per­sei­den zu erwi­schen. Die­ses Expe­ri­ment hat lei­der nicht geklappt. Zwar zeig­ten sich Per­sei­den in jener Nacht reich­lich – auch eini­ge sehr hel­le Exem­pla­re waren dar­un­ter – lei­der tauch­ten die­se stets außer­halb des Blick­fel­des bei­der Kame­ras auf bzw. waren zu schwach, um abge­bil­det zu wer­den. Dafür gab es wirk­lich sehr viel Satel­li­ten am Him­mel zu sehen und sogar ein Durch­gang der ISS. Den bemerk­te ich aber erst, als die Raum­sta­ti­on in mitt­le­rer Höhe im Süden im Erd­schat­ten ver­schwand. An die 600D hat­te ich einen wei­te­ren Neu­zu­gang in mei­nem Objek­tiv­park geklemmt: das Walimex Pro 14 mm f/2.8. Wenn man mal den kor­rek­ten Fokus­punkt gefun­den hat (Die Ent­fer­nungs­ska­la ist eine ein­zi­ge Kata­stro­phe), zeigt es selbst bei Offen­blen­de eine gute Abbil­dungs­qua­li­tät – jeden­falls wenn man kei­ne Gur­ke erwischt hat. Das obe­re Bild ist ein ers­tes Test­fo­to des Objek­tivs – lei­der noch leicht außer­halb des Fokus.

Teleskop_Ost

Blick in Rich­tung Osten mit dem Dob­son und der Astro­trac

In die­ser Nacht wur­den eini­ge bekann­te Objek­te von mir beob­ach­tet. Die Spie­gel­rei­ni­gung in der Vor­wo­che hat­te sich gelohnt, denn hel­le Ster­ne zeig­ten sich im Oku­lar als per­fek­te punkt­för­mi­ge Objek­te – dies­mal ohne stö­ren­den Hof. Außer­dem war ich der Mei­nung, dass Deep-Sky-Objek­te nun kon­trast­rei­cher im Oku­lar erschie­nen. Mein Tele­skop­spie­gel war nach 9 Jah­ren der Benut­zung schon ziem­lich ver­dreckt, so dass eine Rei­ni­gung auch mal nötig wur­de. Hier ist die Lis­te der Objek­te, die am 13. August auf­ge­sucht wur­den:

Bar­nard 143 & Bar­nard 142 – Dun­kel­ne­bel im Adler, M 13 – Her­ku­le­shau­fen, M 57 – Ring­ne­bel in der Lei­er, M 15 im Pega­sus, M 27 – Han­tel­ne­bel, M 31 – Andro­me­da Gala­xie mit Beglei­ter
M 33 – Drei­ecks­ga­la­xie, M 51 – Whirl­pool Gala­xie, NGC 869 & NGC 884 Dop­pel­stern­hau­fen im Per­seus, NGC 891 in der Andro­me­da, NGC 6781 im Adler, NGC 6960/NGC 6992/NGC 6995 – Cir­rus­ne­bel im Schwan, NGC 7000 – Nord­ame­ri­ka­ne­bel, NGC 7331 im Pega­sus, NGC 7479 & NGC 7814 im Pega­sus

comp_Zielbild_Aquila_A

Dun­kel­wol­ken­kom­plex in der Milch­stra­ße im Bereich der Stern­bil­der Adler, Pfeil und Füchs­chen [Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 mm f/1.8 STM bei f/4, ISO-1600, 16x7 Min.]

Am nächs­ten Tag bear­bei­te­te ich die Bil­der, die in jener Nacht mit dem neu­en 50 mm Objek­tiv und der Astro­trac ent­stan­den sind. Die Bild­be­ar­bei­tung erfolg­te wie imer durch Fits­work und Pho­to­shop. Das 1. Bild zeigt die Milch­stra­ße mit zahl­rei­chen Dun­kel­wol­ken – die sogar struk­tu­riert erschei­nen – im Bereich der Stern­bil­der Adler, Pfeil und Füchs­chen. Wenn man genau hin­sieht, kann man noch eini­ge hel­le Deep-Sky-Objek­te erken­nen. Vor allem sticht die dunk­le Höh­le (Bar­nards E) mit der Kata­lo­gnu­mer B 142/143 im Adler, nahe Gam­ma Aqui­lae, regel­recht her­aus. Auch mit Fern­glas ist die­ser Dun­kel­ne­bel sehr gut erkenn­bar. Der Kugel­stern­hau­fen M 71 im Pfeil ist eben­falls sicht­bar sowie der Han­tel­ne­bel M 27 im Stern­bild Füchs­chen, etwas ober­halb der Pfeil­spit­ze gele­gen. Der berühm­te Klei­der­bü­gel­hau­fen Cr 399 wur­de eben­falls auf dem Foto ver­ewigt. Hier lohnt es sich, den Stern­hau­fen mal mit grö­ße­rer Brenn­wei­te abzu­lich­ten.

comp_Zielbild_Cassiopeia_A

Die Milch­stra­ße im Stern­bild Kas­sio­peia [Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 mm f/1.8 STM bei f/4, ISO-1600, 17x7 Min.]

Das 2. Bild zeigt die Milch­stra­ßen­re­gi­on im Stern­bild der Kas­sio­peia. Erkenn­bar sind hier u.a. die offe­nen Stern­hau­fen h & Chi Persei (NGC 869/884) und der dich­te Hau­fen NGC 7789. Selbst die H‑II-Regio­nen Shar­pless 185 bei Gam­ma Cas und Shar­pless 184 (NGC 281) ste­chen her­aus. In der unte­ren lin­ken Ecke haben sich noch der Dop­pel­stern­hau­fen im Per­seus sowie der Herz­ne­bel IC 1805 ver­ewigt.
Dunst_Sued

Hori­zont­dunst in Rich­tung Süden

Kurz nach dem Ende der astro­no­mi­schen Däm­me­rung bau­te ich das Sta­tiv mit der EOS 600D und dem Walimex-Objek­tiv auf und belich­te­te erst­mal 30 Sekun­den in Rich­tung Süden bei Offen­blen­de. Der Süd­him­mel mit der aus­ge­präg­ten Licht­ver­schmut­zung sieht hier schlim­mer aus als in ande­ren Näch­ten. Bei weni­ger Dunst kann man gut bis 10 Grad über dem Hori­zont beob­ach­ten. In die­ser Nacht war die Hori­zont­ge­gen­den aller­dings nicht zu gebrau­chen. Über­rascht war ich aber vom Nord­him­mel. Dort war die Lich­ter­glo­cke des 70 km ent­fern­ten Ber­lins kaum wahr­zu­neh­men. Kurz nach Mit­ter­nacht bes­ser­te sich die Sicht auch spür­bar. Die Milch­stra­ße trat immer bes­ser in Erschei­nung. Mein SQM‑L zeig­te zu die­sem Zeit­punkt in Rich­tung des Stern­bild Klei­ner Bär eine Wert von 21,31 mag/arcsec² an – für mein Stand­ort sehr gute durch­schnitt­li­che Bedin­gun­gen. Über­rascht war ich dann, als ich die Strich­spur­auf­nah­me bear­bei­te­te. Dort in Rich­tung Osten ist ein beleuch­te­ter Hoch­stand zu erken­nen. Offen­bar wur­de ich von dem dort ansit­zen­den Jäger inten­siv beob­ach­tet. Mit blo­ßem Auge war das Rot­licht aller­dings nicht zu erken­nen.

comp_Startrails

Ster­nen­spu­ren in Rich­tung Osten in der Nacht vom 13. auf den 14. August 2015

Beob­ach­tungs­en­de war dann gegen 3 Uhr mor­gens, nach­dem die letz­te Auf­nah­me mit der Astro­trac im Kas­ten war.

P.S. Eine Woche spä­ter, zum 1. SST hat sich mein Walimex lei­der doch noch als Gur­ke her­aus­ge­stellt. Ich foto­gra­fier­te die Milch­stra­ße mit der Astro­trac. Schon auf den Roh­bil­dern waren an der rech­ten obe­ren Ecke sphä­ri­sche Aberra­ti­on sowie an der gegen­über­lie­gen­den Sei­te mas­si­ve Koma sicht­bar, die sich nahe­zu über 1/3 des Bild­fel­des erstreck­te. Selbst im Zen­trum waren die Ster­ne nicht per­fekt. Das Objek­tiv ging am dar­auf­fol­gen­den Tag post­wen­dend zurück an den Händ­ler. 🙁

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://blog.aschnabel.bplaced.net/2015/08/spechtelnacht-im-t-shirt-und-optiktest/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.