Das war das 19. Herzberger Teleskoptreffen

In die­sem Jahr fand das tra­di­tio­nel­le Herz­ber­ger Tele­skop­tref­fen (HTT) bereits kurz vor der Neu­mond­pha­se Anfang Sep­tem­ber statt. Auf­grund des Jeß­nig­kers Gemein­de­fes­tes am Wochen­en­de, reis­ten die ers­ten Besu­cher erst am Mon­tag an. Und am Mitt­woch, einen Tag vor dem offi­zi­el­len Beginn des Tref­fens, war die gro­ße Beob­ach­t­er­wie­se schon so gut gefüllt, dass die anrei­sen­den Süd­kur­ven­mit­glie­der am Don­ners­tag­abend fast kei­ne lee­re Flä­che mehr an ihrem ange­stamm­ten Platz an der Süd­kur­ve fan­den.

Die HTT Süd­kur­ve am Sams­tag­nach­mit­tag

Donnerstag

Bereits zwei Wochen vor dem offi­zi­el­len Beginn des HTT habe ich mit­ge­hol­fen, den Sky­gui­de zu erstel­len. So konn­te ich mir auch dies­mal den Ein­tritt spa­ren. Als ich am Don­ners­tag gegen 13 Uhr ankam, war aller­dings noch kein Gui­de ver­füg­bar. Über­rascht war ich dann von der Tat­sa­che, dass auch die Süd­kur­ve schon gut gefüllt war. Mit den hel­fen­den Hän­den eini­ger Astro­freun­de, war der Auf­bau mei­nes Zel­tes schnell erle­digt. Und auch der Auf­bau des 10-Zoll Schmidt-New­tons ging schnell von der Hand. Sogleich nutz­te ich die Gele­gen­heit für einen ers­ten Rund­gang über den Platz und erhielt die Erkennt­nis, dass die Tele­sko­pe vor Ort von Jahr zu Jahr immer grö­ßer wer­den.

Gro­ße Dob­sons auf der Beob­ach­t­er­wie­se

Am frü­hen Abend reis­ten dann wei­te­re Freun­de der Süd­kur­ve an, so dass sich auch das süd­li­che Ende des Plat­zes schnell schloss. Die bei­den Stern­freun­de Anja und Michae­la, die wir vor 3 Jah­ren ken­nen­ler­nen durf­ten, waren eben­falls wie­der mit von der Par­ty und wur­den nun von den ande­ren Mit­glie­dern offi­zi­ell in die Süd­kur­ve mit auf­ge­nom­men. Am Abend war­te­ten wir dann auf die Dun­kel­heit. Lei­der hat­te sich der Him­mel in der Zwi­schen­zeit mit Wol­ken ein­ge­trübt, so dass wir ab und zu nur zwi­schen den ein­zel­nen Wol­ken­lü­cken beob­ach­ten konn­ten. Eini­ge nutz­ten die Gele­gen­heit in den hori­zont­na­hen Wol­ken­lü­cken, den Pla­ne­ten Mars ins Visier zu neh­men. 1 ½ Mona­te nach sei­ner Oppo­si­ti­on stand die­ser nach wie vor recht nied­rig über dem Süd­ho­ri­zont und zeig­te nach dem Staub­sturm im Hoch­som­mer nun eini­ge Details.

Eine sel­te­ner Kut­ter-Schief­spieg­ler

Die Stim­mung auf dem Platz wur­de nur durch die ner­vi­ge und hel­le Stra­ßen­be­leuch­tung des Dor­fes getrübt. Denn unmit­tel­bar am süd­li­chen Ein­gang zur Wie­se, der für Besu­cher gesperrt war, leuch­te­te eine hel­le Weiß­licht LED direkt auf den Platz und fast bis zur ers­ten Baum­grup­pe auf der Mit­te des Son­nen­blu­men­fel­des. Stern­freun­de, die in der Nähe ihre Aus­rüs­tung auf­ge­baut hat­ten, wur­den dadurch regel­recht geblen­det. Um so ärger­li­cher war es, dass die­se Lam­pe in guter Gesell­schaft war. Denn ins­ge­samt waren 3 von die­sen Licht­ver­schmut­zern von der gro­ßen Wie­se aus sicht­bar. Spä­ter wur­de von den Orga­ni­sa­to­ren gesagt, dass die Bür­ger­meis­te­rin von Jeß­nigk im Urlaub war und dass sie auch den Schlüs­sel für das Gemein­de­haus dabei hat­te. Die Gemein­de hat­te es ver­säumt, Jeman­den für die Abschal­tung der Stra­ßen­be­leuch­tung zu beauf­tra­gen. Die Lam­pen brann­te schließ­lich noch die gan­ze Nacht, auch als der Him­mel, wie­der erwar­ten, in der Nacht doch noch auf­klar­te.

Son­nen­be­ob­ach­tung

Nun wur­de die Gele­gen­heit genutzt, typi­sche Objek­te des Som­mer- und Herbst­him­mels zu beob­ach­ten. Ich konn­te gleich meh­re­ren Stern­freun­den zahl­rei­che Stan­dard­ob­jek­te durch mei­ne 10-Zoll Schmidt-New­ton zei­gen. Auch mein neu­es Hype­ri­on Zoom-Oku­lar wur­de ein­ge­setzt, das sich als äußerst nütz­lich erwies – vor allem bei der gemein­sa­men Beob­ach­tung unter­schied­li­cher aus­ge­dehn­ter Objek­te. Spä­ter in der Nacht konn­ten wir auch noch einen Blick auf den 7 mag hel­len Kome­ten 21P/Gia­co­bi­ni-Zin­ner im Stern­bild Fuhr­mann wer­fen, der bereits im Fern­glas sicht­bar war und im Tele­skop einen schö­nen Schweif mit hel­ler Koma zeig­te.

Freitag

Am Frei­tag­mor­gen reis­te schließ­lich der Rest unse­rer Grup­pe an. Am frü­hen Nach­mit­tag gab es dann einen inten­si­ven Regen­schau­er, der Jeden in die Zel­te trieb. Regen scheint ein stän­di­ger Beglei­ter auf dem HTT zu sein, jeden­falls wenn man die letz­ten 5 Jah­re berück­sich­tigt. Aller­dings ver­schwan­den die dich­te­ren Wol­ken am frü­hen Abend, so dass an die­sem Tag auch die Son­ne im Weiß- und H-Alpha-Licht beob­ach­tet wer­den konn­te. Im Weiß­licht zeig­te sich sogar eine klei­ne U-för­mi­ge Fle­cken­grup­pe und im H-Alpha-Licht, eini­ge schö­ne Pro­tu­ber­an­zen.

Pro­fes­sio­nel­le” Beob­ach­tung der Son­ne im H-Alpha-Licht

Die Ver­kaufs­stän­de der zwei anwe­sen­den Händ­ler waren da eher eine gro­ße Ent­täu­schung. Auf­grund einer zeit­gleich statt­fin­de­nen Astro­mes­se, waren in die­sem Jahr wenig Händ­ler anwe­send. Es wur­den über­wie­gend nur Feld­ste­cher ange­bo­ten. An jenem Abend besuch­te ich einen kur­zen Vor­trag, der Kome­ten­auf­nah­men mit ein­fa­chen Mit­teln zum The­ma hat­te. Es soll­te mein ein­zi­ger Vor­trag auf dem HTT sein. Nach­dem der Vor­trag zu Ende war, zeig­te sich der Him­mel lei­der wie­der kom­plett wol­ken­ver­han­gen. Nichts des­to Trotz hat­te die Süd­kur­ve ihren Spaß, denn neben Fach­sim­pe­lei­en und Kon­vers­tio­nen, gab es auch den einen oder ande­ren geist­rei­chen Trop­fen. Und auch das schon bei bewölk­ten Him­mel tra­di­tio­nell gewor­de­ne “Taschen­lam­pen­fo­rum”, fand nicht nur an der Süd­kur­ve sei­ne Fans. Beim Test der hells­ten Taschen­lam­pe auf dem Platz, konn­te Tho­mas aus Bit­ter­feld aber­mals den Sieg davon tra­gen. Ein 16-Zoll Dob­son eines Mit­be­ob­ach­ters an der Nord­kur­ve half schließ­lich, einen scharf gebün­del­ten Strahl an die nied­rig hän­gen­den Wol­ken zu wer­fen. So hoff­ten wir ins­ge­heim, dass die Wol­ken­de­cke end­lich auf­rei­ßen wür­de.

Fach­sim­peln

Gegen 1:30 Uhr war es schließ­lich so weit: Der Him­mel zeig­te sich für knapp zwei Stun­den fast wol­ken­los und mit stel­len­wei­se recht guter Durch­sicht auf­grund von Rück­sei­ten­wet­ter­la­ge. Ein Ziel war natür­lich dies­mal wie­der der Komet, der gegen­über dem Vor­tag sicht­bar wei­ter­ge­wan­dert war. Selt­sa­mer­wei­se hat­te ich dies­mal recht gro­ße Pro­ble­me mit dem Go-To mei­nes Tele­skops. Kurz nach 3 Uhr mor­gens war der Him­mel wie­der fast voll­stän­dig zuge­zo­gen. Zu die­sem Zeit­punkt waren aber die meis­ten Mit­glie­der der Süd­kur­ve schon in ihren Schlaf­sä­cken ver­schwun­den. Als Abschluss, kurz vor dem Zubett­ge­hen, sahen wir noch einen hel­len Boli­den im Fuhr­mann, der sogar eine kur­ze Nach­leucht­spur zeig­te.

Der 42 Zoll Rie­send­ob­son in Akti­on

Samstag

Der Sams­tag­vor­mit­tag zeig­te sich zuerst kom­plett wol­ken­los mit stahl­blau­en Him­mel, der am frü­hen Nach­mit­tag von hoher Zir­rus­be­wöl­kung aus Rich­tung Wes­ten abge­löst wur­de. Das bedeu­te­te natür­lich auch für die kom­men­de Nacht nichts Gutes. Nach einer fri­schen Dusche in Kolochau, wur­de der ver­blei­ben­de Nach­mit­tag mit Fach­sim­pe­lei, Gesell­schafts­spie­len und Foto­gra­fie­ren genutzt. Am spä­ten Nach­mit­tag konn­ten die Besu­cher des 19. HTT eine inten­si­ve Halo­er­schei­nung beob­ach­ten. Neben zwei auf­fäl­li­gen Neben­son­nen, zeig­te sich auch ein schwä­che­rer 22° Grad Halo um die Son­ne sowie ein obe­rer Berüh­rungs­bo­gen. Der Höhe­punkt war aber der inten­si­ve Zir­kumze­ni­tal­bo­gen, der mit den hüb­schen Zir­ren am Him­mel einen abwechs­lungs­rei­chen Kon­trast bie­ten konn­te.

Halo­er­schei­nung über Jeß­nigk

In der fort­schrei­ten­den Däm­me­rung nahm die Bewöl­kung aber­mals zu, so dass wir zuerst wie­der in grö­ße­rer Run­de zusam­men saßen. Wir konn­ten aller­dings noch kurz den Saturn in der hel­len Abend­däm­me­rung beob­ach­ten. Spä­ter in der Nacht war Wol­ken­lü­cken­sprin­gen, mit län­ge­ren Pau­sen zwi­schen­durch, ange­sagt. Denn wenn sich mal eine grö­ße­re Wol­ken­lü­cke am Him­mel zeig­te, rann­te Jeder zu sei­nem Tele­skop. Ein rich­ti­ges High­light in die­ser Nacht war ein Mete­or, der sich unge­wohnt lang­sam hoch oben am Him­mel in Rich­tung Süden beweg­te und einen dut­zen­de Grad lan­gen Schweif nach­führ­te. Die­ser Mete­or war min­des­tens für 5 bis 6 Sekun­den zu sehen, bevor er voll­stän­dig ver­glüh­te. Der Meteo­ro­id scheint sehr flach in die Erd­at­mo­sphä­re ein­ge­drun­gen zu sein. Kurz nach Mit­ter­nacht, als der Him­mel wie­der voll­stän­dig zuge­zo­gen war, pack­te ich schließ­lich die gesam­te astro­no­mi­sche Aus­rüs­tung zusam­men.

Die gro­ße Beob­ach­t­er­wie­se am spä­ten Sams­tag­nach­mit­tag

Auch in die­ser Nacht, wie an den vor­her­ge­hen­den Näch­ten, hat­ten wir zu kei­ner Zeit mit Tau zu kämp­fen. Auch waren die Außen­tem­pe­ra­tu­ren bis weit nach Son­nen­un­ter­gang recht ange­nehm und lagen über­wie­gend stets im zwei­stel­li­gen Bereich. Alles in allem gab gab es beim 19. HTT in jeder Nacht Ster­nen­licht zu sehen. Und trotz des recht unbe­stän­di­gen Wet­ters, konn­ten vie­le Objek­te beob­ach­tet wer­den. Auch die Zel­te auf dem Platz wur­den schon kurz vor Sonn­tag­mit­tag abge­baut und man brauch­te auch nicht extra zu war­ten, bis die­se tro­cken wur­den. Nach und nach lich­te­te sich die Süd­kur­ve und die gro­ße Beob­ach­t­er­wie­se, als die Stern­freun­de ihre Heim­rei­se antra­ten. Von den Mit­glie­dern unse­rer Süd­kur­ve wur­de der Vor­schlag unter­brei­tet, sich im Früh­jahr 2019 auch mal abseits des HTT zu tref­fen.

Son­nen­blu­men­feld – im Hin­ter­grund der Rie­send­ob­son

Im nächs­ten Jahr fin­det das 20. Herz­ber­ger Tele­skop­tref­fen wie­der Ende Sep­tem­ber statt, näm­lich zwi­schen dem 26. und 29. Sep­tem­ber 2019. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen Bil­der gibt es wie immer auf der Web­sei­te des HTT.

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