Der Sternhimmel im April 2020

Der Lauf des Mondes

Zu Beginn des Monats April steht der Mond im Ers­ten Vier­tel mit­ten im Stern­bild der Zwil­lin­ge. In den Fol­ge­näch­ten wan­dert der Mond wei­ter in Rich­tung Osten und durch­quert nach­ein­an­der die Stern­bil­der Krebs und Löwe. Am 4. des Monats befin­det er sich nur 3 Grad nörd­lich von Regu­lus, dem Haupt­stern des Löwen. Am 6. des Monats fin­den wir unse­ren stil­len Beglei­ter schon im Stern­bild der Jung­frau. Schließ­lich wird am 8. April die Voll­mond­pha­se durch­lau­fen.
Nach der Voll­mond­nacht wird der Mond immer mehr ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te. Am 9. April fin­den wir ihn im Stern­bild Waa­ge und in der Nacht vom 10. auf den 11. April im Grenz­ge­biet der Stern­bil­der Waa­ge und Skor­pi­on. Unser Erd­tra­bant wan­dert in den Fol­ge­näch­ten wei­ter durch die Stern­bil­der Schlan­gen­trä­ger und Schüt­ze. Am 14. des Monats wird das Letz­te Vier­tel durch­lau­fen und nur einen Mor­gen spä­ter, kön­nen wir den abneh­men­den Mond direkt unter­halb von Jupi­ter und Saturn auf­fin­den. Alle drei Him­mels­kör­per bil­den dann ein Art Drei­eck am Mor­gen­him­mel. Am 16. des Monats steht der Mond nur 3 Grad süd­west­lich unse­res roten Nach­barn Mars im Stern­bild Stein­bock. Zum letz­ten mal kön­nen wir die Sichel des abneh­men­den Mon­des am Mor­gen des 18. April im Süd­os­ten auf­ge­hen sehen, bis am 23. April die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird.
Dank der stei­len Eklip­tik am Abend­him­mel kön­nen wir ver­su­chen, die schma­le, zuneh­men­de Mond­si­chel am Abend des 24. April über dem west­li­chen zu ent­de­cken. Am nächs­ten Abend steht die Mond­si­chel inmit­ten des Gol­de­nen Tor der Eklip­tik, zwi­schen den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den im Stern­bild Stier. Am 26. April fin­den wir sie dann 6 ½ Grad unter­halb des Abend­sterns Venus und am 27. des Monats, im Grenz­be­reich der Stern­bil­der Stier, Ori­on und Zwil­lin­ge. Am 28. und 29. April wan­dert unser stil­ler Beglei­ter durch die Zwil­lin­ge und befin­det sich dann am letz­ten Abend im Monat als zuneh­men­der Halb­mond (Ers­tes Vier­tel) im Stern­bild Krebs, knapp 3 Grad öst­lich des Bie­nen­stock­hau­fens (Mes­sier 44).

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur stand im Vor­mo­nat in einer größ­ten west­li­chen Elon­ga­ti­on von der Son­ne und nähert sich unse­rem Zen­tral­ge­stirn wei­ter an. Am 4. Mai steht er schließ­lich in obe­rer Kon­junk­ti­on zu unse­rem Tages­ge­stirn. Er bleibt somit im gesam­ten Monat April unsichtbar.

Unser Schwes­ter­pla­net Venus ist hel­ler Abend­stern und steht Ende April in ihrem größ­ten Glanz. Dabei erreicht sie eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von ‑4,8 mag. Unter sehr guten atmo­sphä­ri­schen Bedin­gun­gen wäre sie damit sogar am Tag­him­mel mit blo­ßem Auge erkenn­bar. Die Venus wan­dert immer lang­sa­mer wer­dend, wei­ter durch das Stern­bild Stier und zieht ab dem 3. April durch die süd­li­chen Aus­läu­fer der Ple­ja­den (Mes­sier 45). Zum Ende der bür­ger­li­chen Däm­me­rung erreicht die Venus eine beacht­li­che Höhe von gut 32 Grad über dem West­ho­ri­zont. Das ist die opti­ma­le Gele­gen­heit, sie auch mit Hil­fe eines Tele­skops zu beob­ach­ten. Im Tele­skop erkennt man, dass der schein­ba­re Durch­mes­ser des Venus­scheib­chens von anfangs 25,5 Bogen­se­kun­den, Ende April, auf 38 Bogen­se­kun­den anwächst. Ihr Beleuch­tungs­grad, Anfang April noch 47%, nimmt dage­gen ab und beträgt am 30. April nur noch 25%. Ihr Unter­gang erfolgt am 1. des Monats um 0:19 Uhr. Bis Ende April ver­spä­ten sich die Unter­gangs­zei­ten auf 0:32 Uhr Som­mer­zeit. Trotz­dem ver­kürzt sich ihre Sicht­bar­keit am Nacht­him­mel, weil es auch immer spä­ter dun­kel wird.

Unser roter Nach­bar Mars wird immer bes­ser am Mor­gen­him­mel sicht­bar und stei­gert sei­ne Hel­lig­keit bis Ende April von 0,8 auf 0,4 mag. Er bewegt sich in die­ser Zeit wei­ter recht­läu­fig durch den Stein­bock und steht zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung gut 12 Grad hoch im Süd­os­ten. Auch sein schein­ba­rer Durch­mes­ser wächst von anfangs 6,4 auf 7,6 Bogen­se­kun­den, so dass Ende April schon ers­te Ein­zel­hei­ten auf der Mars­ober­flä­che zu erken­nen sind. Die Auf­gän­ge des Roten Pla­ne­ten ver­frü­hen sich von anfangs 4:30 Uhr Som­mer­zeit auf gut eine Stun­de. Am Mor­gen des 1. April kann Mars nur 57 Bogen­mi­nu­ten süd­lich von Saturn auf­ge­fun­den wer­den. Am 16. April kommt es zu einer inter­es­san­ten Begeg­nung mit der abneh­men­den Mond­si­chel. Gegen 4 Uhr mor­gens steht die­se nur 3 Grad von Mars ent­fernt. Am 8. April beginnt auf der Nord­halb­ku­gel des Mars der Herbst.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter ist eben­falls ein Objekt für den Mor­gen­him­mel und nähert sich lang­sam dem Pla­ne­ten Saturn an. Er bremst sei­ne recht­läu­fi­ge Bewe­gung durch den Schüt­zen merk­lich ab und kommt Ende April fast zum Still­stand. Mit­te nächs­ten Monats beginnt Jupi­ter dann sei­ne dies­jäh­ri­ge Oppo­si­ti­ons­pe­ri­ode. Sei­ne Hel­lig­keit steigt Ende April auf ‑2,3 mag und sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser von 37 auf 41 Bogen­se­kun­den. Am 1. April geht der Rie­sen­pla­net um 4:05 Uhr im Süd­os­ten auf. Am 30. April erfolgt sein Auf­gang bereits um 2:19 Uhr Som­mer­zeit. Am 7. des Monats zieht Jupi­ter in nur 0,7 Grad Abstand nörd­lich am Zwerg­pla­ne­ten Plu­to vor­bei. Plu­to ist aber ein Objekt für gro­ße Tele­sko­pe und auf­grund sei­nes nied­ri­gen Stan­des über dem Hori­zont, in der begin­nen­den Mor­gen­däm­me­rung nur sehr schwer zu erken­nen. Am 15. erhält Jupi­ter noch Besuch vom abneh­men­den Mond. Der gegen­sei­ti­ge Abstand bei­der Him­mels­kör­per beträgt hier nur 3 ½ Grad.

Der Ring­pla­net Saturn ist eben­falls ein Objekt für den Mor­gen­him­mel. Der Pla­net wan­dert immer lang­sa­mer wer­dend, recht­läu­fig durch das Stern­bild Schüt­ze und kann nur 5 Grad öst­lich von Jupi­ter auf­ge­fun­den wer­den. Sei­ne Hel­lig­keit steigt zum Monats­en­de auf 0,6 mag. Am 1. April über­schrei­tet Saturn um 4:23 Uhr die süd­öst­li­che Hori­zont­li­nie. An die­sem Tag erhält er auch Besuch von unse­rem roten Nach­barn Mars. Am 30. April erfolgt der Auf­gang bereits um 2:32 Uhr Som­mer­zeit. Im Fern­rohr erkennt man, dass sein Ring­sys­tem immer noch zu 20,6 Grad geöff­net ist. Sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser beträgt 16,5 Bogen­se­kun­den. Am 15. April steht der abneh­men­de Halb­mond knapp 5 Grad süd­west­lich von Saturn entfernt.

Ura­nus steht am 26. April 2020 im Stern­bild Wid­der in Kon­junk­ti­on zur Son­ne. Somit hält sich Ura­nus den gesam­ten Monat unsicht­bar am Tag­him­mel auf. Am Tag der Kon­junk­ti­on befin­det sich der Pla­net 2,963 Mil­li­ar­den Kilo­me­ter von unse­rem Zen­tral­ge­stirn entfernt.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems Nep­tun stand letz­ten Monat in Kon­junk­ti­on zu unse­rem Zen­tral­ge­stirn und befin­det sich noch zu nahe bei der Son­ne, um beob­ach­tet zu wer­den. Er bleibt somit auch im April vor uns verborgen.

Der Zwerg­pla­net (134340) Plu­to, im Stern­bild Schüt­ze, wird am 25. April sta­tio­när und setzt zu sei­ner Oppo­si­ti­ons­schlei­fe an. Mit einer Hel­lig­keit von 14,3 mag, ist der Zwerg­pla­net nur sehr gro­ßen Tele­sko­pen vor­be­hal­ten. Sei­ne Auf­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 4:12 Uhr auf 2:18 Uhr Sommerzeit.

Helle Kometen und Planetoiden

Der Komet C/2017 T2 (Pan­STARRS) ist zir­kum­po­lar und wan­dert im April vom Stern­bild Kas­sio­peia in die Giraf­fe. Mit 8,5 mag Hel­lig­keit kann der gut kon­den­sier­te Komet schon in licht­star­ken Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen beob­ach­tet wer­den. Am bes­ten beob­ach­tet man den Kome­ten kurz vor Mit­ter­nacht, wenn der Schweif­stern halb­hoch in Rich­tung Nord­wes­ten am Him­mel zu sehen ist. Es wird erwar­tet, dass er im Mai sogar noch etwas hel­ler wer­den wird.

Der Komet C/2019 Y1 (ATLAS) ist momen­tan etwas hel­ler als erwar­tet und kann mit 9 Magnitu­den bereits in klei­nen Tele­sko­pen auf­ge­sucht wer­den. Er wan­dert im April durch das Stern­bild Kas­sio­peia und bleibt zir­kum­po­lar. Ab dem 26. April zieht der Komet wei­ter in das Stern­bild Kepheus. Die bes­te Zeit zur Beob­ach­tung ist bei Ein­bruch der Nacht. Denn dann steht der Schweif­stern halb­hoch in Rich­tung Nordwesten.

Als regel­rech­ter Über­ra­schungs­ko­met hat sich C/2019 Y4 (ATLAS) her­aus­ge­stellt, der erst am 28. Dezem­ber 2019 vom Aste­ro­id Ter­restri­al-Impact Last Alert Sys­tem (ATLAS) auf Hawaii ent­deckt wur­de. Im Febru­ar erfolg­te ein star­ker Hel­lig­keits­aus­bruch. Falls die­ser wei­ter anhält, könn­te Komet ATLAS im letz­ten Aprild­rit­tel die Sicht­bar­keits­gren­ze für das blo­ße Auge über­schrei­ten. Jeden­falls ist der Komet ein Objekt für Fern­glä­ser und klei­ne Tele­sko­pe. Lei­der ver­schwin­det der Komet nach sei­ner Erd­nä­he, im letz­ten Maidrit­tel, bereits von der Him­mels­büh­ne. Auf­grund der schnell anstei­gen­den Hel­lig­keit, kann er zu die­sem Zeit­punkt bereits nega­ti­ve Hel­lig­kei­ten errei­chen und wäre Ende Mai sogar am Tag­him­mel frei­sich­tig, mit der Hel­lig­keit des Voll­mon­des und rund 12 Grad neben der Son­nen erkenn­bar! Ande­re Pro­gno­sen gehen aber von einem deut­lich schwä­che­ren Anstieg der Hel­lig­keit aus, mit einem Maxi­mum von 1 bis ‑2 mag zum Peri­hel­zeit­punkt. Der Schweif­stern zieht im April durch das Stern­bild Giraf­fe in Rich­tung Süden und könn­te dann Ende des Monats mit 3 Grö­ßen­klas­sen Hel­lig­keit ein leich­tes Objekt für das blo­ße Auge wer­den. Bei Ein­bruch der Nacht steht er noch genü­gend hoch in Rich­tung Nord­wes­ten. Lei­der ver­schlech­tern sich die Sicht­be­din­gun­gen ab Mai Tag für Tag, weil sein Win­kel­ab­stand zur Son­ne immer wei­ter abnimmt. Der Komet scheint übri­gens ein Bruch­stück des Gro­ßen Kome­ten von 1844 (C/1844 Y1) zu sein, weil er sich auf der­sel­ben Bahn wie die­ser Schweif­stern bewegt. Der Komet von 1844 war vor allem auf der Süd­halb­ku­gel der Erde aus sicht­bar und war mit einer Hel­lig­keit von ‑1 mag und einen mehr als 10 Grad lan­gen Schweif, eine sehr auf­fäl­li­ge Erschei­nung am Nachthimmel.

Ein umfang­rei­ches Info­blatt für die Sicht­bar­keit des Kome­ten C/2019 Y4 (ATLAS) als PDF kann hier im Blog her­un­ter­ge­la­den werden. 

Der peri­odi­sche Komet 88P/Howell kann im Stern­bild Jung­frau auf­ge­fun­den wer­den und ist am bes­ten in den Stun­den um Mit­ter­nacht zu beob­ach­ten. Sei­ne Hel­lig­keit steigt zum Monats­en­de auf 12 mag. Somit ist der Schweif­stern ein Objekt für gro­ße Tele­sko­pe. Es wird erwar­tet, dass der Komet im Som­mer eine Hel­lig­keit von 8 bis 9 mag erreicht.

Der Aste­ro­id (3) Juno kommt am 2. April 2020 im Stern­bild Jung­frau in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine Hel­lig­keit von 9,5 mag. Ende April sinkt die Hel­lig­keit wie­der auf unter 10 Grö­ßen­klas­sen. Am 1. April erreicht Juno um 1:29 Uhr den Meri­di­an. Am 30. April steht der Aste­ro­id bereits um 23:10 Uhr Som­mer­zeit im Süden.

(4) Ves­ta kann noch am Abend­him­mel im Stern­bild Stier auf­ge­fun­den wer­den. Ihre Hel­lig­keit sinkt leicht von anfangs 8,4 auf 8,5 mag. Ihre Unter­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 0:21 Uhr auf 23:30 Uhr Sommerzeit.

Der Aste­ro­id mit der Num­mer (40) Har­mo­nia erreicht ihre Oppo­si­ti­ons­stel­lung wie­der am 23. April 2020 im Stern­bild der Jung­frau und wird 9,8 mag hell. Bereits Mit­te April über­schrei­tet die­se die 10. Grö­ßen­klas­se. Am Monats­en­de sinkt sie die Hel­lig­keit wie­der unter die­sen Wert. Die Kul­mi­na­ti­ons­zei­ten von Har­mo­nia ver­frü­hen sich von anfangs 2:59 Uhr auf 0:39 Uhr Sommerzeit.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April tau­chen die Lyri­den auf, deren Aus­strah­lungs­punkt sich rund 7 Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit 49 km/s Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit in die Erd­at­mo­sphä­re han­delt es sich bei den Lyri­den um mit­tel­schnel­le Meteo­re, mit einem nicht sehr aus­ge­präg­ten Maxi­mum in der Nacht vom 21. auf den 22. April. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit des Mete­or­stroms zum Maxi­mums­zeit­punkt liegt in den Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens, wenn der Radi­ant der Lyri­den in guter Beob­ach­tungs­hö­he am Him­mel steht. Für das Jahr 2020 wur­de der Zeit­punkt des Maxi­mums auf 9 Uhr Som­mer­zeit am Mor­gen des 22. April berech­net. Die­ser Wert kann natür­lich auch um meh­re­re Stun­den abwei­chen. Zum Maxi­mum sind im Schnitt etwa 10 bis 15 Stern­schnup­pen zu erwar­ten – dar­un­ter auch eini­ge hel­le Exem­pla­re. Der Mond wird die Beob­ach­tung der Lyri­den nicht stö­ren, weil am 23. April Neu­mond ist. Die Mete­or­strom der Lyri­den ist auch immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: Im Jahr 1982 wur­den zum Bei­spiel 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand im Jahr 1922 statt, als 100 Meteo­re pro Stun­de regis­triert wur­den. Als Ursprungs­kör­per der Lyri­den gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1961 G1 That­cher, der eine Umlauf­zeit von 415 Jah­ren besitzt.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus der Eklip­tik­re­gi­on, auch Ant­he­lionquel­le genannt, sind eben­falls im gesam­ten Monat April zu beob­ach­ten. Die Radi­an­ten­po­si­ti­on bewegt sich in die­sem Monat vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Auf­grund der süd­li­chen Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten sind im Schnitt nicht mehr als 1 bis 2 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 30 km/s besitzen.

Die Alpha-Vir­gi­ni­den, deren Radi­ant sich rund 20 Grad west­lich der Ant­he­lionquel­le befin­det, sind eben­falls um den 22. April her­um sicht­bar und zei­gen nur wenig Meteo­re, die mit Geschwin­dig­kei­ten von 21 Kilo­me­ter pro Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re ein­drin­gen und damit eben­falls sehr lang­sam erscheinen.

Im letz­ten Aprild­rit­tel tau­chen auch schon die ers­ten Eta-Aqua­ri­den auf, die eine Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von 66 Kilo­me­tern pro Sekun­de auf­wei­sen. Auf­grund der nied­ri­gen Radi­an­ten­stel­lung über dem Hori­zont, erzeu­gen die Eta-Aqua­ri­den lan­ge Spu­ren am Nachthimmel.

Der abendliche Fixsternhimmel

Der Stern­him­mel am 15. April 2020 um 23:00 Uhr MESZ 

Im Norden

Bli­cken wir zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit senk­recht nach oben in Rich­tung Zenit, ent­de­cken wir das Stern­bild des Gro­ßen Bären mit der ein­präg­sa­men Figur des Gro­ßen Wagens. Das bekann­tes­te aller Stern­bil­der der Nord­halb­ku­gel hat nun sei­ne höchs­te Stel­lung hoch über unse­ren Köp­fen erreicht. Um den Polar­stern auf­zu­fin­den – und damit die Nord­rich­tung zu bestim­men – ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern ist Teil des Stern­bilds Klei­ner Bär, des­sen Kas­ten­ster­ne in der nächs­ten Stun­de ihre höchs­te Stel­lung im Nor­den ein­neh­men wer­den. Wei­ter öst­lich schlän­gelt sich das Stern­bild Dra­che um den Klei­nen Wagen her­um. Wei­ter west­lich vom Klei­nen Bären gele­gen kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs aus­ma­chen. Unter­halb des Polar­sterns hat soeben der Kepheus sei­ne tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont, die unte­re Kul­mi­na­ti­on, über­schrit­ten. West­lich vom Kepheus ent­de­cken wir noch die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“. Im Nord­wes­ten steht der Per­seus und etwas ober­halb die­ses Stern­bilds der hel­le Stern Capel­la im Fuhr­mann. Im Nord­os­ten stei­gen die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er, mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega, eben­falls lang­sam wie­der höher und aus dem Hori­zont­dunst hervor.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten befin­det sich das Stern­bild Bären­hü­ter, des­sen röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur der auf­fäl­ligs­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist. Er ist ein Weg­wei­ser für die Früh­lings­stern­bil­der. Vom Bären­hü­ter aus­ge­hend steht ober­halb die­ses Stern­bilds die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel nun genau in Rich­tung Ost­punkt zeigt. Die Kas­ten­ster­ne befin­den sich noch wei­ter höher im Zenit. Rechts von der Deich­sel aus­ge­hend befin­den sich die Jagd­hun­de und noch wei­ter im Süd­os­ten, und west­lich von Ark­tur gele­gen, das Haar der Bere­ni­ke. In die­sem Stern­bild, das nur aus schwa­chen Ster­nen besteht, kann man in einer kla­ren mond­lo­sen Nacht den Coma-Stern­hau­fen Melot­te 111 mit blo­ßem Auge erken­nen. Unter­halb des Bären­hü­ters befin­den sich das Halb­rund des Stern­bilds Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les, die Lei­er, mit der Wega, sowie direkt im Osten der Kopf der Schlan­ge, die vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger getra­gen wird. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­gers befin­den sich aber noch zum größ­ten Teil unter dem Ost­ho­ri­zont. Dicht über dem Süd­ost­ho­ri­zont geht soeben das Stern­bild Waa­ge auf.

Im Süden

Die Früh­lings­stern­bil­der haben nun zu unser Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit end­lich den gesam­ten Süd­him­mel ein­ge­nom­men. Der hells­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist der Stern Ark­tur im Stern­bild Bären­hü­ter hoch im Süd­os­ten. Ver­län­gern wir die Figur des Bären­hü­ters über Ark­tur hin­aus, zeigt die­ser auf einen wei­te­ren hel­len Stern in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont: dabei han­delt es sich um den weiß­lich leuch­ten­de Haupt­stern Spi­ca im Stern­bild der Jung­frau. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild in die­sem Him­mel­ab­schnitt ist aber der mäch­ti­ge Löwe, der soeben sei­nen höchs­ten Punkt im Süden ein­ge­nom­men hat. Die zahl­rei­chen Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens, etwas wei­ter öst­lich vom Schwanz des Löwen gele­gen, befin­den sich nun eben­falls in opti­ma­ler Beob­ach­tungs­po­si­ti­on im Süden. Ober­halb des Löwen steht der unschein­ba­re Klei­ne Löwe. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten und rechts vom Löwen gele­gen, sind die schwa­chen Ster­ne des Kreb­ses nur unter einem wirk­lich dunk­len Him­mel aus­zu­ma­chen. Ober­halb der Jung­frau und öst­lich vom Löwen, kön­nen wir noch das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Bere­ni­ke mit dem Coma-Stern­hau­fen ent­de­cken. Noch wei­ter höher in Rich­tung Zenit befin­den sich die unschein­ba­ren Jagd­hun­de. Bli­cken wir in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe, erken­nen wir das Stern­bild Becher und west­lich davon das Stern­bild des Raben. Das eher unschein­ba­re und nur aus schwa­chen Ster­ne bestehen­de aber sehr aus­ge­dehn­te Stern­bild der Was­ser­schlan­ge, schlän­gelt sich vom Süd­wes­ten in mitt­le­rer Höhe aus­ge­hend in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Westen

Im Wes­ten ste­hen noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux, die in der nächs­ten Stun­de den West­ho­ri­zont errei­chen wer­den. Rechts von den Zwil­lin­gen gele­gen berei­tet sich auch der Fuhr­mann, mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Capel­la, zum Unter­gang vor. Im Nord­wes­ten sinkt nun end­lich auch der Per­seus lang­sam zum Hori­zont her­ab. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht fal­len noch Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, sowie Alde­ba­ran im Stier auf. Ober­halb von Alde­ba­ran ent­de­cken wir den Abend­stern Venus. Die­ser Pla­net ist nach unse­rem Mond zur Zeit das hells­te Objekt am Nacht­him­mel. Die Venus wird in der nächs­ten hal­ben Stun­de die nord­west­li­che Hori­zont­li­nie errei­chen. Auf der ande­ren Sei­te des West­punk­tes erkennt man auch Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund und dar­über den Krebs. Hier kön­nen wir in einer mond­schein­lo­sen Nacht den Stern­hau­fen der Pra­e­se­pe (Mes­sier 44), auch Krip­pe genannt, erken­nen. Ober­halb vom Krebs befin­det sich der Kopf des mäch­ti­gen Löwen. In Zenitnä­he kön­nen wir das Stern­bild Gro­ßer Bär ent­de­cken. Zwi­schen Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär befin­det sich noch die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­den Stern­bild des Luchs.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Guten Tag,
    Schö­ner Blog-Bei­trag. Sehr infor­ma­tiv. Vie­len Dank, dass Sie die­se wun­der­ba­ren Infor­ma­tio­nen mit uns geteilt haben. Wir pro­fi­tie­ren sehr davon und hof­fen, mehr von Ihrem infor­ma­ti­ven Bei­trag lesen zu können.

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